Entlastung der Opfer von Verleumdung
Die Meinungen in der Diskussion um die Verantwortung der Juden für den Tod Jesu sind durch unterschiedliche Faktoren bestimmt. Oesterreicher erzählt rückblickend von einer Begegnung mit einem Bischof, der ihm sagte: «Hören Sie, das geht doch nicht. Man kann doch nicht öffentlich erklären, die Juden seien keine Gottesmörder». Auf die Rückfrage, was dem entgegenstehe, habe der Bischof ihm geantwortet: «Einfach deshalb, weil es beleidigend ist, das Wort auch nur in den Mund zu nehmen. Was würden Sie sagen, wenn jemand plötzlich in der Öffentlichkeit erklärte, ‹der Oesterreicher ist kein Dieb›? Wie würde Ihnen das gefallen?». Die Antwort Oesterreichers: «Exzellenz, das hängt von der Situation ab. Wenn diese ‹Verteidigung› wie ein Blitz aus heiterem Himmel käme, wäre ich natürlich bestürzt. Wenn ich aber jahrelang das Opfer einer Verleumdung gewesen wäre, würde ich eine solche Entlastung als befreiend empfinden. Ja ich wäre glücklich darüber.» Der Bischof sei von dieser Argumentation beeindruckt gewesen. «Ich bin aber nicht sicher, dass ich ihn in der Tiefe seines Herzens überzeugt habe».
(emf; Zitate aus dem Kommentar Oesterreichers zu NA in: LThK [2. Auflage[ 13,439)
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