Walter Ludin

«Engelsgleiche Priester» – Anti-autoritäre Konservative …

Vor etlichen Monaten habe ich hier prägnant formuliere Abschnitte wiedergegeben aus dem Buch von Christiane Florin «Trotzdem! Ich versuche, katholisch zu bleiben». Da sie recht häufig abgerufen wurden, hier noch einige Zitate.

Priester: «Engelsgleiche Wesen»
Im Zusammenhang mit dem Zölibatsgesetz erinnert die Autorin daran, dass Paul VI. noch im Jahre 1967 die Priester in «engelsgleiche» Höhen gehievt hat. Keuschheit sei «eine Quelle der Freude». (S. 105)

Frauen können in diesem Konzept nur als Verführerinnen betrachtet werden: «Ein immer noch beliebtes Fotomotiv zum Thema Zölibat stammt aus der Datenbank der katholischen Nachrichtenagentur Deutschlands. Im Vordergrund steht ein Priester im Messgewand, im Hintergrund lauert – leider leicht verschwommen – die Frau. Das Weib schreckt in seiner Wollust offensichtlich weder vor dem geweihten Mann noch vor dem sakralen Raum zurück.» (S.135)

«Ich bete für Sie!»
Wie ich hat Frau Florin schon öfter als Journalistin als Reaktion auf ihre Beiträge lesen dürfen/müssen, dass jemand für sie betet. Die Autorin spricht in diesem Zusammenhang von «aggressiv gefalteten Händen»: «’Ich bete für Sie!’ meint: Ich besitze die Wahrheit. Und ich habe die Möglichkeit, Ihnen diese Wahrheit aufzuzwingen. Gott hört auf mich mehr als auf Sie! Mein Wille geschehe!»

Christine Florin antwortet jeweils darauf mit «Ich bete zurück.» Dann sei Ruhe im Postfach … (S. 144)

Zuflucht zu Benedikt XVI.
Der «rechtse» Flügel des Kirchenvolkes blicken auf den Stellvertreter Christi in Rom. «Sie pochen auf ihr Recht, ein römisches Machtwort in strittigen Fragen zu bekommen (…)

Da Papst Franziskus «nicht so zuverlässig wie seine Vorgänger die bestellte Botschaft liefert, funkt schon mal ein anderer Stellvertreter Christi dazwischen. Jedes Mal, wenn Benedikt XVI. sein Schweigegebot brach, schlugen die Herzen der Autoritären höher.» (S. 149)

Anti-autoritäre Konservative
Christiane Florin zitiert ihren Kollegen Michael Seewald: «Auch diejenigen, die viel und gern von Autorität sprechen, haben ihre anti-autoritäre Seite entdeckt. Sie folgen dem Papst so lange, wie er das Glück hat, auf ihrer Seite zu stehen.» (S. 150)

Nachbemerkung: Zur Haas-Zeit sagte ich in einer Predigt in einem Nebensatz (!), man müsse dem Gewissen mehr folgen als Bischöfen und dem Papst. Vor der Sakristei warteten drei wütenden Herrn auf mich und bezichtigen mich der Häresie. Der sehr nette Pfarrer lud uns zu einem Glas Wein ins Pfarrhaus ein – und verkroch sich … Nach fast einer halben Stunde mussten die Herren endlich zugeben, dass es nicht unmöglich wäre, einen progressiven Papst zu bekommen. Was würden sie dann machen? Leeres Schlucken – und Kleinlautes: «Wir würden unserem Gewissen folgen!!»

Katholische Priester: «engelsgleich» – und die orthodoxen Popen? © Walter Ludin
27. September 2021 | 08:44
von Walter Ludin
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