Walter Ludin

Emanzipierte

(Ordens)FrauenMein lieber «alter» Bekannter Alois Odermatt schickte mir sein Manus über «Freiräume im weiblichen Ordenswesen des Mittelalters.» Es enthält Impulse für die heutige Diskussion über die Frauen in der Kirche. Hier ein erster Abschnitt. Ein 2. folgt:
Es gab eine hohe Zahl von Stiftsdamen,Klosterfrauen, Beginen und Mitgliedern anderer Frauengemeinschaften, die sich gerade in ihrenGemeinschaften und durch sie zu dem entfaltet haben, was heute emanzipiert, befreit genanntwird. Es gab auch zahlreiche Stifte, Klöster, Beginate und Ordenshäuser, die die Befreiungsgeschichteder Frauen vorangetrieben haben. Sie befreiten, als Institutionen, Frauen ausden Zwängen eines patriarchal geprägten Ehe- und Familienlebens. Sie eröffneten Möglichkeitender Schwesterlichkeit, der Bildung, des Musischen, der mystischen Erfahrung.Ein rasches Gesamturteil ist freilich kurzsichtig. Es übersieht, dass das christliche Ordenslebensich bisher in einer patriarchalen Gesellschaft, und insbesondere in einer patriarchalenKirchengesellschaft, entwickelt hat. Den vorherrschenden gesellschaftlichen und kirchlichenNormen lag die Vorstellung einer zweitrangigen Stellung der Frau und der Ungleichheit derGeschlechter zugrunde. Gerade im kirchlichen Leben wurden Frauen nur begrenzte Handlungsspielräume zugestanden.Darum ist es entscheidend, danach zu fragen, ob auch versucht wurde, die patriarchale Gesellschafts-und Kirchenordnung zu durchbrechen. Interessant ist, dass dies öfters gerade im religiösenund kirchlichen Bereich gelang, jeweils wenigstens kurzfristig.

10. August 2010 | 01:38
von Walter Ludin
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