Walter Ludin

Einladung zur Faulheit (Zeitschrift ite: «Freizeit. Den Alltag auf den Kopf stellen»

 »Müssiggang ist aller Laster Anfang», hiess es früher. Inzwischen wissen wir, dass jeder Mensch Zeiten des Nichtstuns braucht. Sonst brennt er aus. Diese Einsichten stehen hinter der neuesten Nummer des ite, der Eine-Welt-Zeitschrift der Schweizer Kapuziner. Im Mittelpunkt stehen fantastische Bilder des bekannten Fotografen Fernand Rausser, begleitet von kurzen besinnlichen Texten zum Thema «Freizeit». Das sehr sorgfältig gestaltete Heft erinnert daran: Musse – oder eben «Müssiggang» – ist kein Laster; sondern Teil eines menschenwürdigen Lebens.
ite 5/2013: Freizeit. Den Alltag auf den Kopf stellen
Gratis-Probenummern bei: Missionsprokura Schweizer Kapuziner, Postfach 1017, 4601 Olten. Telefon: 062 212 77 70. E-Mail: abo@kapuziner.org
Eine Auswahl von Artikeln unter: www.ite-dasmagazin.ch
Soweit mein Pressedienst. Hier noch einiges aus meinem Edito:
Der notwendige Ausgleich von Arbeit/Stress und Freizeit/Erholung hat gerade in den letzten Monaten durch den tragischen Tod des obersten Swisscom-Managers eine besondere Aktualität erhalten. Es trifft sich, dass ich in den Unterlagen, die ich schon seit Jahren zu unserem Thema gesammelt habe, einen Werbetext dieses Unternehmens finde.
Dort wird eine «gestresste Geschäftsfrau» beschrieben, die an einem herrlichen Sommertag in einem Gartenrestaurant sitzt und vergeblich auf einen Geschäftspartner wartet. Nun hat sie «eine geschlagene Stunde Zeit». Schlimm! Denn es sind «60 kostbare Minuten, die sie wahrscheinlich in der Sonne verrotten lassen muss, nur weil sie ausgerechnet heute ihr Natel zu Hause vergessen hat».
Ja schlimm, dass die offensichtlich Gestresste es nicht versteht, die wirklich kostbaren Minuten zu geniessen, indem sie träumt, sich über die Leute am Nachbartisch amüsiert, den herumtollenden Spatzen zuschaut – oder einfach mal da sitzt; es versteht, pure Freude am blossen Da-Sein zu spüren (so wie es zum Beispiel unsere Dichterin mit ihren Kurzgedichten auf den folgenden Seiten vorlebt!).
Viele von uns haben gelernt und nie vergessen: «Müssiggang ist aller Laster Anfang.» So plagt uns allzu oft ein schlechtes Gewissen, wenn wir nicht produktiv sind; es wagen, faul zu sein. Einer Faulheit frönen, die gesund ist: «Gesund deshalb, weil Faulheit auch heisst: in der Sonne liegen, das Meer rauschen hören; weil Faulheit einen Raum eröffnet zum Entspannen und zum Sich-Gehenlassen, das heisst, dass die Dinge auch in eine Richtung gehen, die uns gut tut.» (Regine Hofmann, Kunstpädagogin).
So missverstehen Sie mich hoffentlich nicht, wenn ich Sie jetzt ermutige, hin und wieder faul zu sein …
 

28. November 2013 | 01:06
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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