Eine kargere Session, oder wie man Pausen überbrückt
Die Annehmlichkeiten für die Konzilsväter waren in der dritten Konzilssession restriktiver gefasst worden. Zu Beginn der Session wird bekannt gegeben, dass die Kaffeebar in der Konzilsaula erst um 11 Uhr geöffnet würde. Ausserdem werden die Konzilsväter gemahnt, bei Abstimmungen an ihren Plätzen zu sein. In der Konzilsaula lösen diese Ankündigungen Gemurmel aus, und Yves Congar kommentiert: «ce sera la cohue! [das wird ein Gedränge geben!]».
Als am 23. Oktober 1964 – nach 11 Uhr – überraschend eine Abstimmung über das Ende der Debatte durchgeführt wird, befinden sich tatsächlich zahlreiche (Rynne spricht von 200) Konzilsväter in der Bar. Nach der Abstimmung wird der Relator (Berichterstatter) Bischof Guano zu einem abschliessenden Wort benötigt. Er ist aber nicht auffindbar. So erhält der Sekretär des Konzils Pericle Felici das Wort, um die Pause zu füllen.
Nach einigen technischen Anweisungen ist er so geistesgegenwärtig, das am 23. Oktober begangene Fest des Heiligen Antonius Maria Claret zu würdigen. Er erinnert daran, dass dieser einer der Väter des I. Vatikanischen Konzils war. Das Omen [der Wunsch] des amtierenden Generalsekretärs (also seiner selbst) sei es, dass beim nächsten Ökumenischen Konzil ein anderer Generalsekretär (denn der amtierende werde dann im Purgatorium weilen) den dann versammelten Vätern verkünden könne, dass einer von den (hier im II. Vatikanischen Konzil) Anwesenden bereits unter den Heiligen weile. Für diese spontane Einlassung erhält Felici Applaus. Der endlich gefundene Relator übernimmt das Wort.
(emf; vgl. AS 3/5,400f; Ry 350)
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