Heinz Angehrn

Eine grosse Koalition der Vernunft tut not

Nach einer Nacht reiflichen Nachdenkens über die Rede von Hardy Notter komme ich zu folgender Analyse und Folgerung:
Analyse: Der lange eingeschlafene Ultramontanismus ist zu neuem Leben erwacht. Leute wie Martin Grichting und Christian Ruch stehen für eine solche Wiedergeburt, und die Äusserungen meines Studienkollegen Kurt lassen vermuten, dass das Gedankengut auch schon in der Bischofskonferenz angekommen ist. Wenn wir annehmen, dass mit der Aufteilung «Schweizer Katholiken» = Ultramontane / «Katholische Schweizer» = liberale Katholiken, die beide Seiten verwenden, die Positionen gut beschrieben sind, erkennen wir, dass es bei allen Aussagen zum dualen Kirchensystem um Grundsätzlicheres als nur staatskirchenrechtliche Fragen geht. Es geht m.E. darum, dass die Neu-Ultramontanen sich langsam aber sicher dem Gedankengut der von Monseigneur Lefebvre gegründeten Gemeinschaft annähern, die die Erkenntnisse der modernen Humanwissenschaften sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte leugnet, die ekklesiologische Neuorientierung des Vaticanums II ablehnt und sich in eine splendid isolation im Stil der Zeit vor 1789 zurücksehnt.
Folgerung: Der geistig-theoretische Kampf gegen diese Position muss in einer grossen «Koalition der Vernunft» von Theologie, Staatskirchen und politischem Liberalismus aufgenommen werden. Und wenn der Preis dieses Einsatzes eine Spaltung wäre? Das wäre ein grosses Übel, aber noch immer das kleinere gegenüber dem Schreckensszenario eines neuen innerkatholischen Totalitarismus mit den Methoden einer modernen Inquisition.
Wer beteiligt sich an einer solchen Koalition? Ich wäre bereit, weit über die Grenzen, die ich sonst so ziehe, hinauszugehen.

14. November 2007 | 10:41
von Heinz Angehrn
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