Eine Ahnung von einst...
Nach 560 km ereichen wir «unser EGUMBO» 12 km tief im namibischen Busch im Ovamboland. Das EGUMBO ist ein einheimischer «Gutshof». Unser Egumbo ist zuerst ein Mahangu-Feld ca. 300 m / 300 m, umgrenzt mit einem 1.5m hohen Ast-Holz-Zaun. Etwa in der Mitte des «Ackers» liegt der runde «Hof», Radius ca. 28 m, abgegrenzt vom umgebenden Acker mit einem bis zu 2 m hohen Ast-Holz-Zaun. Im «Hof» zaehle ich 5
einstoeckige Brickshaeuser (2×1 Raum, 2×2 Raeume, 1×3 Raeume), 4 Zinkplatten ein- Raum-Haeuser, 15 runde Ast-Holz-»Haeuser» (je 1 Raum) mit Grasdach und 6 grosse Vorratskoerbe. Dazwischen viele «Versammlungs-plaetze» unter Baeumen (Fruchtbaeume und Buesche) und Ast-Holz gesaeumte Wege. Ein wahres Labyrinth fuer Huehner und Hunde, und im Feld draussen fuer Ziegen, Schweine, Kuehe und Esel. In «unserem Egumbo» leben diese Tiere zusammen mit 3 Gernerationen von Menschen seit ueber 100 Jahren. Im moment sind es «nur» 9 Personen… und fuer eine Woche kommen wir auf Besuch; wir: eine 4 Generationen WG, nisten uns ein. Die letzten Sonnenstrahlen zeigen uns die Freude auf den Gesichtern ueber unseren Besuch (wir bringen viele notwendige Nahrungsmittel) und zeigen uns die Wege und Raeume, die wir beziehen; ab 18h ist es dunkel. Kerzen und ein mit Sonnenenergie geladener Collector mit 2 Leuchtbirnen sorgen fuer die noetige Erhellung. Vor 20 Jahren haben wir eine Wasserpipline in dieses Egumbo gezogen; aber von Elektrizitaet gibt’s noch kaum eine Spur. Schon um 19h wird zum Welcome auf drei Plaetzen «aufgetischt: Chicken und Mahangu mit Marula-Oel – im Kerzenschein – meine Lieblingsspeise. Circa um 19h45 wird abgeraeumt, die Kueche strapaziert und langsam baut sich die Abend-Versammlung auf: alle treffen sich zum Geschwaetz – nur die Burschen nicht, sie haben jeden Abend «Ausgang». So um 21h ordnet der 90+ Patriarch das Abendgebet an: alle singen, beten eine Litanei und ein Rosenkranz-Gesetz, wieder singen – ausufernd in einem Geschwaetz mit viel Lachen und Vorstellungen. Noch vor 22h kehrt die Abendstille ein. Fuer mich ist es Zeit zum Philosophieren; der Sternenhimmel und die totale Stille sind einladend – weit und breit keine Geraeusch und kein Licht. Vor allem kein Buero und das Handy meist abgestellt.
Wie waere es, wenn alle Sterne Rezeptoren waeren und alles Erdgeschehen registriert wuerde und dann das taegliche aktive Bewusstsein der 7 Milliarden Menschen als «Erdebewustsein» kartographiert wuerde? Wie waere es, wenn die Sterne mein Gesamt d.h. meine Seele wahrnehmen wuerden: alle meine Gedanken, Worte und Werke, meine Emotionen und Reaktionen… einfach alles – und es ein heutiges Gesamt-Seelen-Bild von mir gaebe – und in diesem Gesamt kaeme ich mir vor wie der Mann am Steuerbord – aber es greift nicht weil ich umgriffen bin. In diesen sternenuebersaeten Egumbo-Naechten herrscht die Natur waehrend am Tag der Zweck vorherrscht.
Schon einige Zeit vor dem Erscheinen der Sonne beginnen die Frauen den Tag…
Heute besuchen wir die Trade-Fair (Cultural Festival) der Region Outapi, genannt Olufuko (girl-initiation) weil in einem Gehoeft gezeigt wird, wie die reifen Maedchen in alter Zeit auf das Hausfrauen-Leben vorbereitet wurden. Damals war Hausfrau, Sex-Objekt und Gebaerfrau dasselbe; heute ist alles anders… die Maedchen wissen es selbst schon laengst und trotzdem sagt der Governor den ausgestellten Maedchen: Es sei nun nicht so, dass sie nach dem Olufuko heiraten sollten; im Gegenteil: sie sollen weiterhin die Schule besuchen, einen Beruf erlernen, sich vom Sex enthalten. Was sie im Olufuko lernen sei von frueher und gelte fuer frueher, nicht fuer heute. Fuer die jungen Lady’s (ca. 15 bis 20 Jahre jung) ist alles so verwirrend – auch weil sie (nur) hier «oben ohne» antreten , die Oberschenkel aber sehr verborgen halten und ob die Vagina modern zugepolstert ist, wird schon gar nicht gezeigt. Die 88 Brust-Paare, die wippend gezeigt werden, sind eingeoelt, verschwitzt und alle Erotik ist verdunstet – wenn das die Touristen vorausgewussst haetten… Aber die Kulturstudenten von der UNI kommen trotzdem…
Im Egumbo ist im August keine Landwirtschafts-Arbeit; es gilt «nur» die Kinder und die Tiere zu versorgen, ueberall sind Reparaturen auszufuehren und alle warten auf den Regen… und wenn er nicht kommt ???
In Namibia, dem Land der Gegensaetze, prallen die alte Egumbo-Kultur und das moderne Leben hart aufeinander – es verwirrt – und die christliche Kultur ist im einstigen Abendgebet stecken geblieben… und ich geniesse die traumhaft schoene alte Zeit im Heute; denn Illusionen sind kuenstliche Suess-Stoffe.
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