Ein Weg aus der Sackgasse?
Über die Arbeit in der Theologischen Kommission sind wir aus erster Hand durch das Tagebuch unterrichtet, das der Frankfurter Konzilstheologe Otto Semmelroth SJ führte. Kurz nach Beginn der vierten Sitzungsperiode notierte er sich am 21.9.: «Die Abstimmungen über das Schema scheinen auch sehr gut zu gehen. Erstes und zweites Kapitel sind gut gegangen. Die Modi (Verbesserungsvorschläge) scheinen sich auf eine geringe Zahl zu reduzieren». Dann findet sich am 1. Oktober der Eintrag: «Verschiedene Punkte zeitigten im Konzil einige Aufregung. Zunächst einmal ein Modus zum zweiten Kapitel ‹De Revelatione› (‹Über die göttliche Offenbarung›) […]. Es heisst darin, ‹dass nicht alle katholischen Wahrheiten aus der Heiligen Schrift direkt bewiesen werden können.› P. Rahner und einige andere sind darüber aufgeregt und wollen die Annahme dieses Modus verhindern. Wenn das gelingt, freut mich das auch.»
Unter demselben Datum wird dann festgehalten: «In der Sitzung der Theologischen Kommission ging es einigermassen gut voran mit Ausnahme der Frage um das Verhältnis von Schrift und Tradition. Diese dornige Frage hatte man glücklich so beantwortet, dass man sie eben offen liess. Das scheint die einzig mögliche Haltung des Konzils zu sein.» Datiert mit 4. Oktober fährt Semmelroth fort: «Es kam wieder das Thema des Verhältnisses von Schrift und Tradition auf. Offensichtlich, um den Papst und eine Reihe von Konzilsvätern in ihrem Gewissen zu beruhigen […] wurde für einen Zusatz plädiert. Es gab dann drei Vorschläge. […] Gewonnen hat dann aber der von Philips [einem belgischen Konzilstheologen aus Löwen] vorgeschlagene Zusatz: Die Heilige Schrift enthält die Summe des Mysteriums Christi, wenn auch nicht alle offenbarten Wahrheiten ausdrücklich in ihr vorgelegt werden.»
(Hanjo Sauer)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


