Br. Paul Tobler

Ein typischer Klostertag

Wie sieht ein Tag im Kloster aus? Das werde ich immer mal wieder gefragt. Vor einer Weile bat mich jemand, einen Tag zu beschreiben:
Ein typischer Tagesablauf? Das ist gar nicht so einfach. Welcher Wochentag? Obwohl ich in den zeitlichen Gelübden die benediktinische Beständigkeit versprochen habe, erlebe ich «Wanderjahre». Ich studiere in Lugano Theologie, um in Zukunft im Kloster Priester zu werden. Jede Woche bin ich vier Tage lang im Tessin, zu Gast im Priesterseminar.
Freitags bin ich aber wieder ganz im Kloster– und froh, wieder in diese vertraute Realität einzutauchen. Um 5:30 stehe ich mit meinen Mitbrüdern das erste Mal auf der Empore unserer grossen Klosterkirche, zum Gebet von Vigil und Laudes. «Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde». Über den Tag verteilt folgen noch über zweieinhalb Stunden lang Gotteslob und Gebet für so viele und vieles. Das «Ora» steht gemäss Benediktsregel im Zentrum. 
Um 8:30 stehe ich im Zimmer 35 unseres Gymnasiums: Freitagmorgen ist mein Schulmorgen. Ich unterrichte Naturlehre in den unteren Klasse. Vor dem Klostereintritt hatte ich Umweltnaturwissenschaften studiert, später das Lehrdiplom in Chemie und Biologie ergänzt. Mit meinem kleinen Pensum kann ich erste Praxiserfahrungen sammeln und die Schule kennenlernen. «Wie kann man chemische Stoffe unterscheiden und einteilen?»
Mittagsgebet und Mittagessen führen mich wieder in Kloster, Klausur und Stille. Die schweigende Mahlzeit mit Tischlesung ist wohltuend. Gespräch wird in der Zvieripause oder der «Rekreation» am Vorabend Platz haben.
Der Nachmittag bringt gemischte Aufgaben: Vielleicht etwas Organisation und Werbung für die Jugendangebote des Klosters. Oder für unsere App «Hora Benedicti» interessante Personen kontaktieren, um sie fürs Verfassen kurzer Kommentare zu Tagesabschnitten der Benediktsregel zu gewinnen.
Zwei schöne Momente am Vorabend: Ich gehe joggen, mit frischer Bergluft und tollem Panoramablick. Danach stimmt mich die «Lectio divina», also Lesung in der Bibel oder einem geistlichen Text, langsam in die Abendgebete ein. «In deiner Treue, die nicht wankt, sei Wächter auch in dieser Nacht» singen wir um 20 Uhr in der Komplet.
… Inzwischen hat sich mein Profil verschoben zum «Mönch als Vollzeitstudent – mit Nebenbeschäftigungen». Wie sieht das aus? Fortsetzung folgt.

22. März 2016 | 11:55
von Br. Paul Tobler
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