«Ein Stein statt Brot»
In der 20. Generalversammlung vom 16. November 1962 wurde die Debatte über «Die Quellen der Offenbarung» fortgesetzt. 21 Konzilsväter meldeten sich zu Wort. Für das Schema sprachen sich u.a. aus: die Kardinäle Tisserant (Kurie), Goncalves Cerejeira (Lissabon), de Barros Câmara (Rio de Janeiro), McIntyre (Los Angeles), Caggiano (Buenos Aires), Santos (Manila) und Urbani (Venedig). Als Beispiel für die Argumentation der Befürworter die Stellungnahme von Mc Intyre: Er meinte, das vorliegende Schema biete «eine umfassende und klare Bestätigung der katholischen Lehre» und zeigte sich skeptisch gegenüber der Einforderung eines pastoralen Grundkonzepts des Konzils: «Zuviel ist gesagt worden über die Pastoral dieses Konzils. Aber das hauptsächliche pastorale Erfordernis besteht in der Tat darin, dass unseren Gläubigen und hauptsächlich der Jugend klar und zweifelsfrei die katholische Lehre vorgelegt werde.» (AS 1/3,70)
Ganz anders die Sicht der Kritiker des Schemas. Zu Wort meldeten sich unter ihnen die Kardinäle Lefebvre (Bourges) und Silva Henriquez (Santiago de Chile), die Erzbischöfe Bengsch (Berlin) und Guerry (Cambrai), die Bischöfe Gargitter (Brixen) und Alba Palacios (Tehuantepec, Mexiko), Weihbischof Reuss (Mainz) und der englische Abtpräses Butler. Am deutlichsten wurde der Berliner Erzbischof Alfred Bengsch. Er formulierte seine Kritik in drei Punkten: 1. Entgegen der vom Papst Johannes XXIII. gewünschten Ausdrucksweise spreche das Schema Verurteilungen und Zurückweisungen aus. Es lasse nicht die Stimme der Kirche «als Mutter und Lehrerin» erkennen. 2. Das in den früheren Konzilien Gesagte werde nur wiederholt, zudem in einer sehr restriktiven Weise. 3. Angesichts des theoretischen und praktischen atheistischen Materialismus würden die Gläubigen Hilfe, Stärkung und Trost erwarten.Bengsch nahm kein Blatt vor den Mund, wenn er sagte: «Ich darf schliessen mit einem Wort, das aus meinem Herzen kommt – habt Verständnis für mich, verehrungswürdige Väter: ich kann nicht zu meinen Gläubigen zurückkehren, von denen einige, auch junge Menschen, wahrhafte Bekenner sind, mit einem Stein statt mit Brot in der Hand. Deshalb bei aller Ehrfurcht und aufrichtigen Wertschätzung gegenüber den untadeligen und verdienten Männern, die dieses Schema gestaltet haben, aus meinem Gewissen heraus muss ich sagen: Non placet. (Es entspricht nicht)». (AS 1/3, 87ff.)(Hanjo Sauer)
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