Konzilsblogteam

Ein Placet für die Überprüfung

Nachdem der Text über den Ablass am 9. November 1965 vorgestellt worden war, beginnt am Folgetag (zwischen Beratungen über das Dekret über das Laienapostolat) die Diskussion mit einer scharfen Rede des melkitischen Patriarchen Maximos Saigh.
Dem Patriarchen ist die lateinische Ablasspraxis des Mittelalters fremd. Die mittelalterliche Ablasspraxis habe mit der altkirchlichen Form des fürbittenden Eintretens nichts zu tun und habe zu Missbräuchen und Skandalen geführt. Der Patriarch schlägt deswegen vor, die Ablässe abzuschaffen oder wenigstens grundlegend zu reformieren. Seine Konzilsrede endet – gegen die Aufrechnung von Verdiensten – mit einem Bekenntnis zu Jesus Christus, der Eckstein bleiben müsse, «das Alpha und Omega unserer ganzen heiligen Religion». Auch Erzbischof Bernard Alfrink äussert Kritik am quantitativen Denken.
Der Präsident der Österreichischen Bischofskonferenz Kardinal Franz König beginnt seine Rede mit einem «Placet». Es ist das dialektische «Placet» dazu, dass das Ablasswesen als Ganzes der Überprüfung unterzogen wird.
Moniert wird hingegen die unzulängliche Theologie und die juridische Prägung des Dokumentes. So bestehe aus mehreren Gründen noch Verbesserungsbedarf.
Im Anschluss trägt Kardinal Julius Döpfner sehr grundsätzliche Anfragen an das hinter dem Ablass stehende Denken vor, z.B. die Unmöglichkeit, ein bestimmtes «Mass» von Strafe zu bestimmen. Döpfner thematisiert auch den Sinn dessen, was mit Sündenstrafe bezeichnet wurde: Es gehe darum, die Neigung zur Sünde zu überwinden, und zur Liebe zurückzukehren. Dieser Prozess könne nicht durch einen Ablass ersetzt werden.
In einem ausführlichen gemeinsamen Dokument der Deutschen und Österreichischen Bischofskonferenz werden konkrete Vorschläge formuliert, darunter die Mahnung, auf alles Zählen zu verzichten.
Am 13. November 1965 wird die Übung abgebrochen. Die Präsidenten der Bischofskonferenzen werden gebeten, weitere Eingaben schriftlich einzureichen, weil die Zeit für Abstimmungen benötigt werde. Zudem seien nicht theologische Auseinandersetzungen, sondern nur praktische Anregungen gewünscht – eine Spitze gegen Kardinal Döpfner (vgl. AS 4/6,415).
(emf; vgl. AS 4/6,292-294.317-319.323-335)

10. November 2015 | 00:01
von Konzilsblogteam
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