Markus Baumgartner

Ein Pfarrer zeigt Krippen aus aller Welt

Im Anbau der reformierten Thomaskirche Biberist-Gerlafingen im Kanton Solothurn werden in der Weihnachtszeit Krippen ausgestellt. Sie stammen aus der Sammlung von Pfarrer Beat Hänggi und stammen aus der ganzen Welt. 

Der gelernte Gärtner und heutige reformierte Pfarrer Beat Hänggi ist seit gut einem Jahr in den Gemeinden Biberist, Gerlafingen und Lohn-Ammannsegg im Kanton Solothurn tätig. Er sammelt seit einigen Jahren Weihnachtskrippen aus der ganzen Welt. Über 40 Krippen und Einzelfiguren aus verschiedenen Materialien und Grössen stellt er nun im Anbau der Thomaskirche aus. Etliche Konfirmanden werden mithelfen. Zusätzlich zur Ausstellung verkauft Kirchgemeindepräsident Heinz Stephani über 25 von ihm von Hand hergestellte wunderschöne Holzkrippen zugunsten der Stiftung «Denk an mich», schreibt die «Solothurner Zeitung». «Die Bibel hat mir eine neue Welt erschlossen», erinnert sich Beat Hänggi, der als Neffe von Bischof Anton Hänggi katholisch aufgewachsen und geprägt war. Nach seiner «Evangelischen Wende» studierte er auf dem zweiten Bildungsweg Theologie. 

Erste Krippe in Umbrien 

Eigentlicher «Erfinder» der figürlichen Darstellung der Weihnachtsszenen soll «Franz von Assisi» – beziehungsweise der heilige Franziskus (1181-1226) – gewesen sein. Franziskus kam in der Vorweihnachtszeit von 1223 auf die Idee, in den Bergen Umbriens ein neues Bethlehem zu errichten. Er wollte den Menschen vor Augen führen, in welcher Armut und Schwachheit der Sohn Gottes in diese Welt kam. Er liess an einem Höhleneingang der Ortschaft Greccio den Stall von Bethlehem nachbauen und Bauersleute aus der Umgebung die Heilige Familie, die Hirten, Könige und Engel spielen.

Dank dem Schnitzerhandwerk 

Im Barock wurden die figürlichen Krippendarstellungen aus Holz und Gips üppig ausgeschmückt und erweitert. Unbestrittene Welthauptstadt der Krippenkultur ist bis heute Neapel. In dessen pittoresken Altstadt beherbergt die Via San Gregorio Armeno viele Geschäfte, welche ausschliesslich Krippen und Weihnachtsschmuck feilbieten. 

In der Schweiz ist Brienz das «Mekka» der Krippenbauer: Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde dort das Schnitzerhandwerk staatlich gefördert, damit die armen Bergbauern im Winter beschäftigt waren und einen Nebenverdienst hatten. Den gnädigen Herren zu Bern war es zudem ein Dorn im Auge, dass jährlich 15’000 Pfund in den Schwarzwald flossen, wo die Tradition der Krippenherstellung schon etabliert war. So liess man Schnitzer aus dem Süddeutschen kommen, welche dieses Kunsthandwerk den Oberländern weitergaben.

Jesus als Indianer

Überall wo die gute Botschaft von der Geburt von Jesus Christus verkündet wurde, stellte man sie auch dar. Doch in jedem Teil der Erde wurde Jesus und auch alle anderen Figuren als «Einheimische» dargestellt: In Afrika ist Jesus ein afrikanisches Kind und seine Eltern sind Afrikaner, in Südamerika sind sie Südamerikaner und in Nordamerika Indianer. Der Gottessohn ist zu allen Menschen in dieser Welt gekommen. Krippendarstellungen können auch heute noch vor Augen führen, dass der Sohn Gottes nahbar und erlebbar ist, weil er menschliche Gestalt angenommen hat. Gott will den Menschen im Kind in der Krippe begegnen. Vom Dichter Angelus Silesius stammt das Zitat: «Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.»

Ausstellung bis 9. Januar 2022

Die Krippen-Ausstellung in Biberist ist an folgenden Tagen von 14-16 Uhr sowie jeweils kurz nach den Gottesdiensten in der Thomaskirche geöffnet: Sonntag, 12. Dezember, Sonntag, 19. Dezember, Samstag, 25. Dezember Weihnachten, Sonntag, 26. Dezember Stephanstag, Freitag, 31. Dezember Silvester, Sonntag, 2. Januar Berchtoldstag, Donnerstag, 6. Januar Dreikönigstag, Sonntag, 9. Januar.

Bild zvG
13. Dezember 2021 | 22:44
von Markus Baumgartner
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