Ein patriarchales Kollegium mit gesamtkirchlicher Verantwortung
«Geradezu religiöse Aufmerksamkeit, absolute Stille. Fast alle Beobachter und viele Väter haben sich erhoben», so beschreibt Yves Congar (Co 2,205) die Atmosphäre während der Rede von Patriarch Maximos am 15.10.1964. Auch Lubac notiert (vermutlich im Blick auf die von der Bar zurückkommenden): «Jeder hat sich beeilt, ihn zu hören» (Lu 2,211).
Der antiochenische Patriarch unterscheidet mehr disziplinarische Aspekte der Konzilsvorlage, die einen gewissen «Fortschritt» bedeutet, gegenüber den mehr lehrhaften Aussagen, die unbefriedigend seien. So gebe es eine fragwürdige Gegenüberstellung der «katholischen Kirche» gegenüber den orientalischen Kirchen. Sind diese etwa nicht katholisch? Oder ist die katholische mit der lateinischen Kirche identisch?
Besonders schwach aber seien die Ausführungen zum Thema der Patriarchate. Diese seien nicht nur eine Einrichtung der orientalischen, sondern der gesamten Kirche. Immerhin sei der Bischof von Rom nach Auskunft der ökumenischen Konzilien (der alten Kirche) der erste der Patriarchen, nämlich als Patriarch des Abendlandes (jener Titel, den Papst Benedikt XVI. abgelegt hat). Maximos moniert, es rühre nicht an die primatiale Bedeutung des Papstes, wenn man ihn als Bischof den anderen Bischöfen und als Patriarch den anderen Patriarchen vergleiche. Man habe die Konzeption des Patriarchen des Abendlandes vergessen und statt dessen fragwürdige Ehren-Patriarchate eingeführt, die besser abgeschafft würden. In der Geschichte hätten die Patriarchen ein patriarchales Kollegium mit gesamtkirchlicher Verantwortung gebildet.
Schliesslich öffnet Patriarch Maximos den Blick. Man dürfe den Zirkel des Katholischen nicht mit der lateinischen Kirche und einer «Fraktion» des Orientes schliessen. «Man muss den Platz des Abwesenden freihalten» – gemeint ist der Raum für die nicht mit Rom unierten Orthodoxen. Machen wir die Katholizität gross, «nicht für unsere bescheidenen Personen und unsere Gemeinschaften, die sich in der glücklichen Gemeinschaft mit Rom befinden, sondern damit sich unsere [orthodoxen] Ursprungskirchen darin wiederfinden».
«Parole forte, virile, franche, un peu abrupte, de cet admirable vieillard qui prononce une parole historique. C’est un moment grand et émouvant» (Co 2,205).
(emf; vgl. AS 3/4,532-535)
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