Ein Kloster baut an seiner Zukunft
Im Konradsblatt, der Kirchenzeitung des Erzbistums Freiburg i. Br., durfte ich die Zukunft unseres Kapuzinerklosters in Luzern vorstellen:
Seit 430 Jahren gibt es auf einem Hügel oberhalb der Stadt Luzern ein Kloster der Kapuziner. Es wurde nun vollständig renoviert und durch neue, kreative Projekt zukunftsfähig gemacht. Dazu gehört das «klosternahe Wohnen» in zehn Studios, die in den alten Gemäuern entstanden sind.
Den Luzerner Kapuzinern ergeht es wie einem Paar, nachdem die Kinder ausgeflogen und die im gleichen Haushalt lebenden Grosseltern gestorben sind: Das Haus wurde zu gross. Noch vor einem halben Jahrhundert lebten in ihrem Kloster auf dem Wesemlin-Hügel über 60 Brüder, davon ein Dutzend oder vielfach auch mehr Novizen. Dann wurde das Noviziat verlegt. Und jedes Jahr starben bis zu drei Kapuziner.
Die Bewohnerzahl halbierte sich. Nach menschlichem Ermessen werden in einem Jahrzehnt wohl nur noch etwa zehn Kapuziner in ihrem grossen Haus wohnen.
Dazu kommt die Baufälligkeit des Klosters. Seit über 60 Jahren wurde keine umfassende Renovation durchgeführt. So waren zum Beispiel die elektrischen Leitungen in einem fast kriminellen Zustand.
Neues wagen
Kurz: Es musste etwas geschehen. Allein schon der Unterhalt eines so grossen Gebäudes würde für die immer kleiner werdende Zahl Brüder zur übergrossen Belastung. Zudem gilt auch für einen Orden: Eigentum verpflichtet. Das Haus in bester Lage muss sinnvoll genutzt werden.
Ein Verkauf des «Wesemlins» kam für die Provinz nicht in Frage, zumal es für die Schweizer Provinz das «Mutterkloster» ist und sich hier ihre Leitung befindet. Also: Renovieren und sich nach neuen, zusätzlichen Nutzungen umsehen!
Doch: Wer soll das bezahlen? Da der Orden die notwendigen 12 Millionen Franken nicht selber aufbringen kann, muss nach altbewährter franziskanischer Art gebettelt werden. «Fundraising» heisst dies neudeutsch. Ein erstes Vorprojekt zeigte, dass durchaus Sponsoren (früher: «Wohltäter») zu finden waren. Doch niemand wollte sein Geld für ein klösterliches Altersheim ausgeben: «Ihr müsst etwas für die Allgemeinheit tun und Neues, Zukunftsfähiges wagen!»
Drei Säulen
Unter dem Motto «Oase-W» (W wie Wesemlin) entstand ein neues Konzept des 430 Jahre alten Klosters. Es umfasst die drei Säulen:
Spirituelles Zentrum
Klosternahes Wohnen
Besinnlicher Klostergarten
Beginnen wir mit dem zweiten Punkt, der Möglichkeit für Laien, im Kloster mitzuleben. Dafür wird die Hälfte eines der beiden Klosterflügel reserviert. Neben einer grossen ärztlichen Gemeinschaftspraxis entstehen dort zehn möblierte Wohnstudios im Umfang von 25 bis 35 Quadratmetern (incl. WC und Dusche).
Mit diesem Angebot des «klosternahen Wohnens» erhalten spirituell suchende Menschen die Möglichkeit, in einem klösterlichen Umfeld zu leben. Die Bewohner müssen «christlich sozialisiert» und bereit sein, sich auf das religiöse Umfeld einzulassen und sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen. Sie bleiben eigenständig, bekommen aber die Möglichkeit, am Alltag der Kapuziner ein Stück weit teilzunehmen. Es wird erwartet, dass sie bisweilen am Gebet der Brüder teilnehmen und diese arbeitsmässig unterstützen; zum Beispiel durch Mitarbeit in der Küche oder an der Pforte.
Neue Art von Klosterleben
Wer «klosternah» wohnt, ist eingeladen, am Mittagessen der Brüder teilzunehmen. Beim Abendessen bleiben die Kapuziner unter sich, um so eine eigene Privatsphäre zu bewahren.
Die Studios sind ab Ende September bezugsbereit. Zurzeit laufen die Abklärungen, wer in das Projekt aufgenommen wird. Von ursprünglich über 50 Interessenten bleiben 20 ernsthafte Bewerbungen übrig, mit denen in den letzten Tagen Gespräche geführt werden. Bei der Auswahl wird auf eine auch altersmässig gute Durchmischung geachtet. Im Übrigen sind Männer und Frauen willkommen.
Fortsetzung folgt:
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