Konzilsblogteam

Ein anonymes Schema

Der Name des Schemas ist die Nummer XVII – die letzte in der Liste von Konzilstexten gemäss der Zählung der Koordinierungskommission. Später wird das Schema die Nummer XIII bekommen – immer noch die letzte Nummer. Etliche Konzilsväter weigerten sich lange, das Schema überhaupt zu behandeln. Es fand keinen Namen – und die Sache, um die es ging, wurde von manchen als gar nicht konzilstauglich eingeschätzt. Es ging um die Rolle der Kirche in der Welt und um ihre Antworten auf die vielfältigen Veränderungen, mit denen die Welt konfrontiert wurde. Eine solche «zeitgenössische» Sicht auf die Kirche schien vielen unangebracht und zur Behandlung auf einem Konzil nicht geeignet. Andere jedoch bejahten die Notwendigkeit einer Positionierung der Kirche mitten in der Welt von heute.
Drei Grundrichtungen haben sich für den Text angeboten:
a: Man behandelt die Fragestellung erst gar nicht auf dem Konzil und bleibt bei überzeitlich gültigen, bei ewigkeitsorientierten Aussagen über die Kirche.
b: Man positioniert die Kirche mit Hilfe klarer anthropologischer, sozialer und moralischer Vorgaben in der Welt – als Lehrerin oder Ordnungshüterin der Welt. Naturrechtliche, moraltheologische und sozialethische Prinzipien würden dann den Kern eines solchen Dokumentes ausmachen.
c: Man wagt eine zeitgenössische, eine mit den Menschen und ihrer Geschichte verbundene Verhältnisbeschreibung zur Welt und nimmt die konkrete Geschichte zu einem Ausgangspunkt des eigenen kirchlichen Selbstverständnisses.
In der Koordinierungskommission diskutierte man lange über unterschiedliche Textentwürfe und fand keine Lösung. Auch eine «Abwertung» des geplanten Textes als blosser «Sozialkatechismus» wurde nicht gutgeheissen, hätte ein solches Vorgehen doch bedeutet, die Balance der Aussagen zur Kirche ad intra und ad extra zu zerstören. Diese Unterscheidung hatte Kardinal Suenens schon am 4. Dezember 1962 vorgeschlagen und viel Zustimmung geerntet. Ihm wurde schliesslich der Auftrag gegeben, einen neuen Text zu verfassen. Deswegen tagt vom 6. bis 8. September 1963 eine Expertengruppe in Mecheln.
(ab; A 2,491-505)

6. September 2013 | 00:18
von Konzilsblogteam
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