Heinz Angehrn

Dresscode – Nein danke!

Ich beende meine Einlassungen zum Thema «Kirche/Religion und Recht». Sie werden einmal an öffentlichem Orte und sicher auch im ganz privaten Austausch noch fortgeführt. Doch es gibt für einen Blogger so viel andere spannende Dinge, die sich auf der Welt zutragen, dass ein Wechsel der Tonart angezeigt scheint.

Ich schreibe aber nicht zu Mr Weinstein. Das wäre auch ein hübsches und delikates Thema, aber ich wundere mich schon über den Medien-Hype, der da gerade bläst. Haben denn all diese Leute nicht auch wie ich «The godfather» gesehen (in meinem Fall auch gelesen – ich verweise auf den entsprechenden Blog)? Und am Beispiel des Herrn Jack Woltz gesehen, dass man als Hollywood-Mogul auch andere Dinge als Anfängerinnen ins Bett gesteckt bekommt…

Nein, ich möchte mich als Appendix zum Thema «Religion und Recht» nun mit einem anderem (ungeschriebenem) Recht beschäftigen: Kleidervorschriften, oder neudeutsch formuliert Dresscodes. Vor Jahren habe ich all meine wenigen Krawatten voll Freude im Altkleidersack verstaut (nur eine der beiden Armee-Krawatten behielt ich als Erinnerung an die düstersten Tage der Unfreiheit in meinem Leben). Ich empfinde es als ungeheuerliche Einschränkung der Menschenrechte und als Verstoss gegen jegliche individuelle Freiheit, einem Menschen vorzuschreiben, was er anzuziehen habe. Verstehen wir uns recht: Es gibt Grenzen des Geschmacks und der Würde des anderen (gemäss Kategorischem Imperativ): nackt gehen wir nicht an die Parlamentssitzung oder ins Theater, sondern höchstens in Innerrhoden wandern.

Aber diese Altmänner-Traditionen (oder: Gut-Kameraden-Traditionen) gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Es ist jedermanns (bei Frauen ist man viel gnädiger, Frau Leuthard durfte sich auch schon im Käseloch-Look zeigen) Sache, wie er sich für einen würdigen Anlass kleidet. Krawatten zumindest sind ein doppelt Ärgernis: sie würgen und sehen absolut spiesserisch aus. Ich habe auch Hardy Notter widerstanden (Ex-Kantonsgerichtspräsident und ex Administrationratspräsident), der mir meinen Widerstand mit dem Argument zu widerlegen versuchte, dass selbst Paul Rechsteiner bei Gericht ein solches Ding trage. Dann schafft das mal schnell ab, ihr Menschen des Rechts! Ihr verstösst mit dem quasi Zwang gegen Eure eigenen Prinzipien.

Also: Schnipp, schnapp, das Monster ab.

18. Oktober 2017 | 06:00
von Heinz Angehrn
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