Walter Ludin

Dreifaltigkeit: Annäherungen an Unerklärliches

Dreifaltigkeit: Der Inhalt des heutigen Festes ist uns gleichzeitig ganz nah und vertraut; aber auch seltsam, unverständlich und  –sagen wir es – mysteriös.
Ja, die Vorstellung vom dreifaltigen Gott ist uns sehr vertraut: In jedem Kreuzeichen erinnern wir uns daran. Und wir alle wurde «im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes» auf den drei-einen Gott getauft – auch wenn die allermeisten sich nicht mehr daran erinnern …
So vertraut uns das Sprechen von der Dreifaltigkeit ist, so fremd bleibt ihr Inhalt. Man hat sie zum Beispiel durch die Gleichung «3 gleich 1» ausgedrückt. Aber sie ist erst recht paradox und leuchtet kaum ein.
Schliesslich müssen wir zugeben: Alles Reden über Gott ist menschliches Gestammel ist. Schon Thomas von Aquin, der allergrösste Theologe des Mittelalters, schrieb im Vorwort zu einem seiner Werke: «Der höchste Gipfel unserer Gotteserkenntnis liegt darin: zu wissen, dass Gott alles überragt, was wir von ihm denken können.»
Wir können Gott nicht erfassen. Oder wie es ein weiser Mensch ausgedrückt hat: «Wenn du meinst, Gott begriffen zu haben, dann ist es nicht Gott.»
Trotz allem: Wir müssen beim Versuch, die göttliche Dreifaltigkeit zu verstehen, nicht vollends kapitulieren. Denn der Zugang zu den drei göttlichen Personen wird erleichtert, wenn wir sie einzelnen anschauen und uns fragen: In welcher Beziehung stehen sie zu uns? Versuchen wir es also:

Gott der Vater hat die Welt erschaffen. Er hat uns als jeden einzelnen/jede einzelne als Person bejaht und angenommen.
In Jesus hat Gott uns sein Gesicht zugewandt.  Er ist so etwas wie die lebendige «Ikone Gottes» in der Welt. Zu Philippus konnte er im Johannes-Evangelium sagen: «Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.» Jesus Christus hat Gottes Liebe sozusagen handgreiflich erfahrbar werden lassen. Er hat nicht nur Kranke geheilt durch Handauflegung. Jesus hat uns auch gezeigt, dass Gott ein guter Vater ist – und wie viele in den letzten Jahrzehnten entdeckt haben – uns auch wie eine gute Mutter behandelt.
Jesus hatte seinen Jüngern und Jüngerinnen vor seinem Abschied versprochen, er werde sie nicht als Waisen zurücklassen. Als er nicht mehr sichtbar in der Welt war, hat er ihnen/hat er uns als «Helfer, Tröster und Beistand» den heiligen Geist gesandt der – wie es in einem liturgischen Text heisst – sein Werk auf Erden weiterführt.

Bleiben wir noch eine kurze Weile bei den Aussagen zum Heiligen Geist. Ich möchte jetzt nicht meine Pfingstpredigt wiederholen. Nur dies: Mit Karl Rahner, dem grossen deutschen Theologen, bin ich der Ansicht, dass der Geist Gottes mitten im Alltag erfahrbar ist, wenn beispielsweise ein Mensch seinen Egoismus überwindet; oder wenn jemand hofft, dass sein Leben sinnvoll ist, obwohl er viel Unsinn, viel Sinnloses erfährt.
Dies sind nur ganz wenige ganz kurze Annäherungen an das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Sicher, der eine oder die andere möchte viel genauer wissen, was damit ausgedrückt ist. Da fällt mir ein lieber, recht origineller Mitbruder ein, der als Student mehrmals mit einem theologischen Problem zu einem Professor ging mit dem Auftrag: «Du musst mir in fünf Minuten erklären, wie das genau gemeint ist.»
Nein, kein Theologe auch der gescheiteste nicht, kann die Dreifaltigkeit ganz verstehen und genau definieren. Dies ist aber auch nicht nötig. Wir können trotzdem mit dem dreifaltigen Gott im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe verbunden bleiben.
Darum lasst uns in dieser Eucharistie danken

unserem Schöpfer
unserm Erlöser
danken auch dem Geist, der uns leitet und hilft, als Christen/Christinnen zu leben.

Rothenburg So. 10 Uhr; Kloster Gerlisberg, Luzern So 17 Uhr
Vorschau: In einer Woche werde ich bereits wieder in Rethymnon auf Kreta mit Touristen aus halb Europa mehrsprachige Gottesdienste feiern. Ich muss jeweils Kurzansprachen auf dt., engl., frz. und it. vorbereiten. – Rückkehr am 15. Juni. Auch i der Zwischenzeit gibt’s hier täglich neue Blogbeiträge.

21. Mai 2016 | 19:38
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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