Walter Ludin

Drei unheilige Heilige

Z. B. Padre PioDer hier wiedergegebene Text von G. Bachtl (Blog vom Samstag) brachte mich auf den Gedanken, dass es Heilige gibt, die es kaum verdient haben, heiliggesprochen zu werden. Spontan fielen mir drei Männer ein-eben der Pfarrer von Ars mit seinem Bild eines drohenden, zürnenden Gottes; und einer Verkündigung, die den kleinen Leuten ihre kleinen Freuden vergällte.-der Gründer des Opus Die: Kommentar überflüssig. Sonst lese man die Beurteilung des frühen (!!) Kurt Koch-und -hier wird’s ganz exklusiv. Ich habe noch nie mich dazu in der Öffentlichkeit geäussert: mein Mitbruder Padre Pio! Ein Mitarbeiter, der mit ihm jahrelang im gleichen Kloster lebte: «Er hat mehr rumgebrüllt als gelacht …» Nicht gerade ein Zeichen christlicher Nächstenliebe und franziskanischer Fröhlichkeit … Und als man ihm sagte, die jungen Mitbrüder (meiner Generation!!!) würden nicht mehr immer die Kutte tragen und nicht jeden Tag in die Messe, brüllte er: «Jagt sie fort! Jagt sie fort!» Wenn es also nach ihm geblieben wäre, wäre ich nicht mehr Kapuziner. So habe ich denn in keiner meiner Publikationen auch nur eine Zeile über ihn geschrieben. Bin ich nachtragend? Oder ehrlich? Betr. Ehrlichkeit: Nachdem er sich zeitlebens um die Wünsche und Befehle seiner Obern und des Vatikans foutiert hatte, fand ich im Dekret seiner Selig- (oder Heilig)sprechung den Hinweis, er habe sich durch Gehorsam ausgezeichnet.Nun, wenn man auch mit meinen Lastern und Fehlern so grosszügig umginge, hätte ich alle Chance auf Heiligsprechung. Doch Gott bewahre …

16. August 2010 | 01:11
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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