Simon Brechbühler

#dontjudge

Mein heutiger Blog ist eine Anregung zu einem Thema, worüber sich Menschen in den sozialen Medien die Finger wund schreiben: Umgang mit Homosexualität, LGBTQ+, postmoderne Sexualmoral und Gendersternchen.

Vor rund drei Jahren habe ich Yann bei uns im Jugendtreff in der Kirche kennengelernt. Eine 13-jährige aufgestellte junge Frau, voller Lebensfreude und unendlich viel Energie. Ihre* Geschichte könnt ihr im nachfolgenden Video bei URBN.K sehen:

Ich möchte mich heute auf einen Aspekt fokussieren. #dontjudge – richte nicht.

«Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet» Mt 7.1

Für mich ist es nicht einfach, nicht zu richten. Locker könnte ich hier eine Moralpredigt über eine richtende Gesellschaft halten. Und richten tun sie eben doch! Die zig-tausend, die sich Jahr für Jahr mit Rekordzahlen von der Kirche abwenden und austreten.

Ich interpretiere die Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium so: Es steht mir nicht zu, über einen Menschen zu richten. In meiner Rolle als kirchlicher Mitarbeiter habe ich zu dienen und nicht zu richten. Und zwar primär mit dem Dienst am Menschen. Die Geschichte von Yann ist ein gutes Beispiel dafür. Yann hat in der Kirche eine Heimat gefunden in seiner* dunkelsten Zeit. Seine* Andersartigkeit stand von Beginn an nie zur Debatte und er* wurde angenommen, wie er* gerade war oder ist. Niemand wollte ihn* bekehren. Niemand moralisierte.

So sollten in meinen Augen alle Christen sein. Nicht richtend, sondern dienend. Ich bin sicher – so hätte ER* es gewollt.

Bild: zvg
28. Januar 2021 | 10:30
von Simon Brechbühler
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0 Gedanken zu „#dontjudge

  • Hansjörg sagt:

    “Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werden”

    Aber genau das macht die Führung der kath. Kirche, sie richtet über rund eine Milliarde Menschen. Den weiblichen Katholikinnen werden Berufe und Ämter verwehrt, nur weil sie Frauen sind.
    Das heisst doch, dass in der kath. Kirche die Frauen als nicht gleichberechtigte Menschen gesehen werden?

    • Ich bin hier bei Ihnen. Ich denke auch, dass sich Amtsträger*innen tlw. hinter Traditionen verstecken, um sich nicht mit aktuellen Themen wie Gleichberechtigung auseinanderzusetzen. Hier müsste die Kirche vermutlich in einigen Bereichen über die Bücher.

  • RENE SEYDOUX sagt:

    Könnte es nicht auch völlig anders sein? Wenn ich es richtig sehe, hängt Priester und Opfer eng zusammen. Ohne Opferkult keine Priester. Bekanntlich gibt es im Judentum seit über 2000 Jahren keinen Opferkult und somit auch keine Priester mehr. Weshalb? Mit dem Opfer versucht man die Gottheit positiv zu beeinflussen.
    Dass solches praktiziert wurde ist ohne Weiters nachvollziehbar. Aber ehrlich, lässt sich solches mit einem modernen Gottesbild vereinbaren? Ein Gott, der sich, wie ein menschlicher Herrscher positiv oder negativ beeinflussen lässt? Sollte man nicht annehmen können, dass Gott ausnahmslos immer das Richtige tut – auch wenn es uns Menschen nicht immer gefällt!? Kurz, ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott an einer Fortsetzung des Opferkults nicht interessiert ist und ihn langsam aber sicher auch in der kath. Kirche “auslaufen” lässt. Priesterinnen würden diesen Prozess zwar nicht verhindern, aber doch extrem in die Länge ziehen. Nicht vergessen: wir leben im 21 Jahrhundert!

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