Konzilsblogteam

Die Zufälle des Konzils

Konzilstexte sind relativ, sie sind historisch kontingent. Darauf verweist Hans Küng – schon bevor der grösste Teil der Texte des Konzils verabschiedet sein wird. Leser und Leserinnen des Konzilsblogs werden Küng gut verstehen: Die Konzilsgeschichte ist auch eine Geschichte der Zufälle, der Augenblicke und der günstigen oder weniger günstigen Gelegenheiten.
«Dass auch Konzilsdekrete nicht vom Himmel fallen, dass auch die Dekrete der im Heiligen Geist versammelten ökumenischen Kirchenversammlung Menschenwerk sind, war in der Kirche von jeher bekannt.» Wer das Konzil direkt erlebte, wusste um die historische Kontingenz: Wer «dabei ist, erfährt konkret, was für ein Dekret und seine einzelnen Formulierungen die tausend ‹Zufälligkeiten› des Konzilsalltags bedeuten: also nicht nur, dass gerade diese Kommission mit gerade diesem Präsidenten und gerade diesem Sekretär das Dekret vorbereitete, dass vor dem Plenum gerade diese und nicht eine andere Einführung in die Debatte gegeben wurde, […] sondern auch, dass in jener Stunde nicht der Präsident, sondern der Vizepräsident den Vorsitz führte, dass bei einem der ungezählten ‹ricevimenti› jener protestantische Beobachter gerade diesen Bischof oder Theologen auf ein bestimmtes Problem aufmerksam machen konnte, dass die dritte Frage der Moderatoren für die Probeabstimmung gerade diesen und nicht jenen Terminus gebrauchte, […] dass dieser Bischof oder Peritus auf Grund seiner guten oder mangelhaften Lateinkenntnisse überzeugen konnte oder schweigen musste, […] usw. […] Es ist oft beinahe erschreckend, festzustellen, wie in dem ungeheuren Betrieb der gegen 3000 Teilnehmer am Vatikanum II es oft an einem einzigen Mann hängen kann, ob dieses oder jenes wichtige Anliegen im Konzil zur Sprache kommt oder nicht, ob es folglich im Dekret zu finden sein wird, oder nicht.»
(ab; Kü 245 ff.)

2. Juli 2014 | 00:56
von Konzilsblogteam
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