Heinz Angehrn

Die seltsamen Blüten der Kulturkritik

Zum Thema der Theaterkritik habe ich mich eben schon hier geäussert, aber auch sonst steht es in diesem Bereich nicht zum Besten. Auch die Filmkritik beschreitet seltsame Wege. So fällt mir beim Lesen von Kritiken zu «12 years a slave» und «Akte Grüninger» (auch mit Rückverweisen auf «Der Verdingbub» und «Django unchained») Folgendes auf:
Wie kann ein Film ein heikles gesellschaftliches Thema so zur Sprache bringen, damit es auch in der Mitte der Gesellschaft ankommt, damit nicht nur die Akademiker, die es schon wissen, und die Engagierten, die es sich zu eigen gemacht haben, sondern auch der/die ganz durchschnittliche Filmbesucher/in zu Einsicht gelangen kann? Mit durch eine ideologische Brille schon an den Anfang des Films gestellten Schuldzuweisungen? Kaum, das stösst ab. Indem eine Unrechtsgeschichte theatralisch überhöht (dass die Täter eben «Bösiger» heissen; wie Herr DiCaprio Calvin Candie spielt; indem Herr Grüninger auch als Mensch interessant ist etc.) wird? Ja sicher, diese Methode war schon bei Wagner und Verdi erfolgreich und ist es noch heute.
Darum, liebe Kritiker/innen, bedenket die Frage: Wollt nur Ihr verstehen oder sollen es auch andere? (PS: Gilt für die Oper genau gleich. Ich grüsse Frau Gürbaca und ermahne sie, ihre «Aida»-Regie nochmals zu bedenken…)

22. Januar 2014 | 07:06
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
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