Konzilsblogteam

Die Schweizer Bischöfe antworten nicht gemeinsam

Die zögerlichen Versuche der Schweizer Bischöfe, mit einer gemeinsamen Eingabe (votum) auf die Aufforderung, Themen für das Konzil zu benennen, zu antworten, scheiterten. So gelangten sieben Antworten von unterschiedlicher Länge und Qualität nach Rom; den Schweizer Eingaben zugezählt wurde auch das Votum des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Alfredo Pacini, sowie die Entschuldigung des schwer kranken Kapuziner Missionsbischofs Ernest Joye.
Bischof François Charrière schlug als Leitgedanken den Frieden vor: Friede zwischen den Religionen, Friede zwischen den Nationen, sozialer Friede innerhalb der Nationen. Dabei sprach er auch das Problem der bürgerlichen Toleranz an und referierte den Vorwurf, die Katholiken seien machiavellistisch: wo sie in der Minderheit seien, würden sie Religionsfreiheit fordern, wo sie in der Mehrheit seien, würden sie die Religionsfreiheit der andern ablehnen. Diese ökumenische Sensibilität mag dazu beigetragen haben, dass Bischof Charrière zum Mitglied des von Papst Johannes XXIII. 1960 errichteten «Sekretariats zur Förderung der Einheit der Christen» unter Kardinal Augustin Bea, eine der vorbereitenden Konzilskommissionen, ernannt wurde.
Die Eingaben aus der Schweiz beschränkten sich im Wesentlichen auf die Aufzählung von Wünschen. Philippe Chenaux fasste sie zu vier Bereichen zusammen: Die Aufwertung des Bischofsamtes, die liturgische Erneuerung, eine Flexibilisierung der kirchlichen Disziplin sowie eine Öffnung zum ökumenischen Dialog. Dabei sind die Widersprüche nicht zu übersehen. So wünschte beispielsweise Bischof von Streng in der Liturgie für Epistel und Evangelium sowie die Sakramenten- und Sakramentalienspendung die Volkssprache, während Bischof Hasler das Latein als die Sprache der «Heiligen Mutter Kirche» empfahl, die vor allem die Kleriker aufs Höchste einigen könne. Solche nicht ausdiskutierte Meinungsverschiedenheiten seien mit verantwortlich, dass die Schweizer Bischöfe auf dem Konzil dann auch keine bemerkenswerte Rolle hätten spielen können, vermutet Philippe Chenaux.(Rolf Weibel, nach: AD I/II 2, 21-59; Chx; Coz)

9. August 2012 | 00:03
von Konzilsblogteam
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