Heinz Angehrn

Die religiöse Verbrämung der Diskriminierung

Das vor einer Woche Ausgeführte ist nun (leider) zu ergänzen: Jede Art solcher Diskriminierung braucht ja auch – wenn sie edel und ethisch weniger problematisch auftreten will – eine Art geistigen Überbau. Und von den zur Verfügung stehenden Gedankensystemen – Philosophie, Ethik, Moral, Religion – ist (wieder leider) nichts dafür so gut geeignet wie das Letztere.
Das funktioniert dann so: Die diskriminierende Mehrheit definiert über heilige Bücher oder heilige Gesetze, dass die diskriminierte Minderheit (nun beliebig und zur Auswahl)a) nicht dem Schöpfungsplan des Ewigen entsprichtb) nicht unter seinem Segen und seiner Gnade stehtc) moralisch verwerflich denkt/handelt/lebtd) schwerwiegende Schuld gegenüber dem Ewigen auf sich geladen hate) zum Heiligen nicht zugelassen werden darf
Solches Denken findet sich zurzeit bei den meisten der republikanischen Präsidentschaftskandidaten in den USA (»evangelikale» Variante) und in den meisten Verlautbarungen der römischen Zentrale etwa zu Fragen der Frauenordination oder den gleichgeschlechtlichen Partnerschaften (»katholikale» Variante).
PS und natürlich auch hier: Besser keine Religion als Diskriminierungen rechtfertigende Religion!

9. Januar 2012 | 08:08
von Heinz Angehrn
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