Die Reformen des fiktiven Papstes Benedikt XVI.
Die Nuntien (und die Weihbischöfe) «bekommen Titel von erloschenen Sitzen in Kleinasien oder sonstwo. Ein Bischof ohne Menschen, Gemeinde, Wählerschaft und Territorium ist eine Anomalie, eine Monstrosität.»
Diese Sätze finde ich im bereits zitierten Buch «Wie regiert der Papst» meines lieben, zu früh verstorbenen Kollegen Peter Hebblethwaite. Sie nehmen das Thema auf, das ich hier im Blog durch einen Beitrag von Franz Birrer behandelt habe. Am Rande: Damit sind wir bei der Theorie der «Kleinen Welt». Franz Birrer schrieb mir, er sei mit Peter seit seiner Londoner Zeit befreundet gewesen.
Noch zwei Leckerbissen aus Peters Buch. Sein Schlusskapitel aus dem Jahr 1986 ist die fiktive Rede des Papstes, der auf Johannes Paul II. gefolgt sei. Er heisst – Benedikt XVI.! Sein Profil aber entspricht in überraschend vielen Punkten nicht dem Ratzinger-Papst, sondern Papst Franziskus.
· Der fiktive Papst verspricht eine Dezentralisierung und die «freiwillige Übergabe angehäufter Funktionen». Diese Reform «gibt euren örtlichen Kirchen zurück, was ihnen eigentlich gehört.» Der Papst ist sich bewusst, dass er damit auf Widerstand stösst: «Ich kann behaupten, ich bin ein besserer ‹Traditionalist› als die, die zwangsläufig sagen werden, dass ich, wie König Lear, ein närrischer alter Mann bin, der bald bereuen wird, seine Autorität weggeworfen zu haben.
· Die zweite Stelle tönt angesichts der dann tatsächlich eingetretenen Entwicklung recht seltsam tönt: «Johannes Paul II. glaubte, er hätte eine Kirche in Unordnung geerbt, und strebte an, ihr Gestalt, Charakter und Disziplin zu geben. Es war die Politik der ‹Restauration›, verfochten von dem jüngst verstorbenen Kardinal Joseph Ratzinger, dessen unerklärlicher Zusammenbruch eine solche Tragödie war.» (Inzwischen wissen wir, dass der erwähnte Mann, Papst geworden, noch rechtzeitig die Notbremse gezogen hat und weiterlebt …
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