Markus Baumgartner

Die Ostergeschichte neu erleben

Die von Pfarrer Bruno Waldvogel komponierte Produktion der Passionsgeschichte verbindet moderne Technik mit der 2000 Jahre alten Geschichte vom Leiden und der Auferstehung von Jesus Christus. Die Passionsgeschichte wird multimedial an acht Bildschirm-Stationen erzählt. 

Der reformierte Pfarrer Bruno Waldvogel produziert gerne unterschiedliche Kunstformen, um geistliche Inhalte zugänglich zu machen: Musicals, Komödien, Hörspiele, Mittelalterromane oder Theaterstücke. 2018 verlegte er die Passionsgeschichte über Jesus in die Teufelsschlucht bei Hägendorf SO und liess sie dort von Schauspielern unter freiem Himmel zwischen schroffen Felsen und Tannen aufführen. Jetzt holt er sie zurück in die reformierte Kirche in Wangen: In Zeiten, in denen nichts mehr normal ist, muss sich auch Bruno Waldvogel  etwas Neues ausdenken. Er taufte das diesjährige Schauspiel «Corona Passion». «Corona ist lateinisch und bedeutet Krone oder Kranz», zieht Waldvogel die Parallele zwischen dem neuen Virus und der überlieferten Dornenkrone, die Jesus am Kreuz tragen musste, schreibt die «Solothurner Zeitung».

Lebensgross auf Monitoren

Ein Team gestaltete die Kirche in ein abgedunkeltes Labyrinth um. «Das hat den Vorteil, dass die Zuschauer nicht abgelenkt werden und sich ganz auf die Geschichte konzentrieren können», erklärt Bruno Waldvogel. Immer eine Gruppe von maximal vier Personen ist dreissig Minuten lang unterwegs. Sie werden durch Kopfhörer durch acht Räume geführt, wo sie unterschiedlichsten Gestalten aus der Passion begegnen – lebensgross auf Monitoren projiziert. «So machen sich die Gruppen auf Spurensuche und folgen einer grossartigen Geschichte, die unsere Kultur seit 2000 Jahren geprägt hat. Der Zuschauer bekommt den Eindruck, einer echten Person gegenüber zu stehen», verspricht Waldvogel. Stets kommt der Zuschauer einen Moment zu spät und begegnet den unterschiedlichsten Beobachtern des Passionsgeschehens. Von unbändiger Begeisterung bis zu heftiger Ablehnung reichen die Reaktionen der Zeugen.

Emotionen springen rüber

Pfarrer und Produzent Bruno Waldvogel hat früher selber im Metier Film und Fernsehen gearbeitet, sein Sohn Nicolas hat in London visuelle Kunst studiert. Und auch die Schauspieler verstehen ihr Handwerk: «Und dann hat der Hahn gekräht», ruft Petrus total aufgewühlt, nachdem er Jesus dreimal verraten hatte. Die Emotionen springen augenblicklich auf die Zuschauer rüber, so die «Solothurner Zeitung» weiter: «Für mich ist es wichtig, die Person zu verstehen, die ich darstelle», erklärt Rafael Luca Oliveira seine Herangehensweise an die Figur. «Petrus ist von sich selber enttäuscht und verzweifelt. Dieses Gefühl muss ich in mir selber suchen und es verkörpern.» 

Für Menschen da sein

Das Schauspiel hält sich weitgehend an die überlieferte Ostergeschichte, aber es werden auch aktuelle Bezüge zur jetzigen Krise hergestellt. «Die Geschichte ist zeitlos und vermittelt Hoffnung in schwierigen Zeiten. Etwas, was wir alle brauchen, und das zur Kernaufgabe als Kirche gehört», erläutert Bruno Waldvogel. Er sieht den Virus nicht als eine Strafe, sondern als eine Chance, inne zu halten und unseren Lebensstil zu überdenken. Die Kirche müsse sich an die Vorgaben des Staates halten und die Regeln und Gesetze befolgen. «Ich finde, wir geben der Krankheit eine zu grosse Bedeutung. Früher lag die Entscheidung über den Tod in Gottes Hand. Der Glaube hilft uns, den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren.» Die Seelsorge dürfe sich nicht einfach in die Isolation zurückziehen. «Die Menschen vereinsamen und verzweifeln durch den Lockdown. Für diese Menschen müssen wir weiterhin da sein und dabei immer abwägen, was noch geht und was nicht.» 

Für den kostenlosen Rundgang in Vierergruppen durch die «Corona Passion» stehen vom 22. bis 27. März ganztags Zeitfenster zur Verfügung. Anmeldungen werden über die Website in einem Onlineformular entgegengenommen. Da die ganze Produktion digital aufgezeichnet ist, kann sie auch von anderen Kirchgemeinden aufgeführt werden. Interessenten melden sich bei Bruno Waldvogel, Telefon 062 212 67 08 oder E-Mail coronapassion@gmx.ch.

Bild Screenshot Video ref-olten.ch
22. März 2021 | 22:39
von Markus Baumgartner
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