Pater Martin Werlen

Die Menschen ins Zentrum stellen

Publikationen zu Jubiläen sind so eine Sache für sich… Das möchte man meinen. Aber ab und zu gibt es Jubiläumspublikationen, die schlicht und einfach überraschen – von der ersten bis zur letzten Seite. Dazu gehört «Die Menschen ins Zentrum stellen» vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut.

Hier lernen wir die Kirche in unserem Land überraschend anders kennen. Wir erhalten Einblick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in die Vielfalt kirchlichen Lebens, in das grosse Engagement im Hintergrund, in die Schwierigkeiten, in die prophetische Aufgabe der Ordensleute, in die Bischofskonferenz u.v.m. Wir lernen Blockaden kennen und bleiben nicht dabei stehen. Ausnahmslos in jedem Artikel und in jedem Interview begegnet uns nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein engagierter Aufruf, heute die Dynamik des Konzils wieder aufzunehmen und Wirklichkeit werden zu lassen. Die Lektüre ist für mich eine Ermutigung, Kirche in der Situation, in der wir heute stehen, neu zu entdecken und meine Berufung dankbar zu leben.

Durch das kleine Werk führt uns wie ein roter Faden das Konzilsdokument «Gaudium et spes», das wohl das Kerndokument des Zweiten Vatikanischen Konzils ist. Die Kirche – zuerst die Amtsträger – kommt vom hohen Ross herunter und ist mit den Menschen auf dem Weg: «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.»

Diese kleine Publikation birgt Sprengkraft des Glaubens. Dem würde gewiss auch Papst Franziskus zustimmen, der am Schluss der diesjährigen Exerzitien der Kurie im Dankeswort an den Benediktinerabt, der die Vorträge gehalten hatte, sagte: «Ich habe oft an ein Konzilsdokument gedacht – Gaudium et spes – vielleicht ist es das Dokument, das am meisten auf Widerstand gestossen ist, auch heute. Und in manchen Momenten habe ich dich so gesehen: wie mit dem Mut der Konzilsväter, als sie dieses Dokument unterzeichnet haben. Ich danke dir sehr.»

Die Publikation mit ihrem programmatischen Titel lege ich allen ans Herz, die in der Kirche in unserem Land an welcher Stelle auch immer Verantwortung tragen. Dazu gehören wir alle, die wir getauft sind.

 

Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut (Hg.), Die Menschen ins Zentrum stellen. 50 Jahre SPI. Forschen, Beraten und Planen für die katholische Kirche in der Schweiz. St. Gallen 2019.

SPI «© 2019 P. Martin Werlen
16. März 2019 | 11:55
von Pater Martin Werlen
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