Bruder Klaus und Gefährten

Die Kraft des eigenen Weges zu Gott

Unter den vielen Blicken auf das Leben und die Rezeption von Niklaus von Flüe im Gedenken an seinen 600. Geburtstag stach mir ein Aspekt besonders ins Auge: der Mut von Niklaus und seiner Frau Dorothea, den ganz eigenen Weg zu Gott zu gehen und diesen Weg für den Liebsten freizugeben. Heute wissen wir, dass der Mut von beiden reiche Früchte getragen hat und weiterhin – weit über das Gedenkjahr Niklaus von Flüe 1417–2017 – reiche Früchte tragen wird.

Niklaus von Flüe hatte den Mut, den Fragen, die sich im Laufe seines Lebens stellten, nicht auszuweichen, sondern sich diesen zu stellen – mit all dem damit verbundenen Unverständnis seiner Familie, seiner Verwandtschaft, seiner Umgebung. Sich den Anfragen und den Ansprüchen des eigenen Lebens und des eigenen Gewissens zu stellen, das bedeutet viel Unsicherheit, ein Abwägen, ein Hin und Her und mit dem durch das Einverständnis von Dorothea und den älteren Kindern möglich gewordenen Abschied ein Gehen ins Ungewisse, mit «Liestal» dann ein sicher ungewolltes Zurück in die Heimat, die der Aussteiger ja eben verlassen wollte, hinein in eine längere Zeit der Überprüfung, gefolgt von der Anerkennung seiner neuen Lebensweise und viel Unruhe in seinem Einsiedlerleben, bedrängt durch Neugierige, Zweifler, freche Theologen-Besserwisser usw.

Aus dem Bruchstückhaften aber entwickelt sich etwas Ganzes, das bis heute wirkt und nach langem auch die kirchenamtliche Anerkennung erfuhr, obwohl Bruder Klaus bis heute ein sperriger Heiliger ist und nicht in das klassische Heiligenschema hineinpasst.

Ich wünsche uns allen, die wir uns im grossen Gedenkjahr durch Niklaus von Flüe inspirieren liessen, dass uns die positive Unruhe, die Niklaus von Flüe uns mit seinem Leben mitgeben will, uns auf den je eigenen Weg führt, der uns näher zu Gott bringt.

Gerne schliesse ich mit einem Gebet von P. Andreas Schallbetter SJ unseren Bruderklausen-Blog, das sich an das berühmte Bruderklausengebet anschliesst:

 

Mich beschenken lassen

 

Mich lösen lassen

vom hartnäckigen Tun,

vom Selber-Machen.

 

Mich beschenken lassen

vom unfassbaren Du,

dem Göttlichen.

 

In IHM mich versenken,

und vertrauensvoll,

hingebend verschenken.

Andreas Schalbetter SJ

 

Der Bruderklausenblog hat viel Freude gemacht: Ich danke herzlich der Leserschaft für das grosse Interesse, besonders aber meinen Mitredaktoren Roland Gröbli und Peter Spichtig für die tolle Zusammenarbeit!

Mit den besten Grüssen und Wünschen für ein gutes 2018 darf ich mich von dieser Plattform verabschieden – ich wünsche Ihnen/Euch allen «Mehr Ranft», auch in den kommenden Jahren!

Urban Fink-Wagner, Inländische Mission

MEHR RANFT – auch im neuen Jahr! (Foto: Trägerverein Mehr Ranft)
31. Dezember 2017 | 21:26
von Bruder Klaus und Gefährten
Teilen Sie diesen Artikel!