Die Konzilsaula
Die Durchführung des II. Vatikanischen Konzils war eine logistische Herausforderung. Während am I. Vatikanischen Konzil ca. 800 Bischöfe teilgenommen hatten, werden bei der Eröffnungsfeier am 11. Oktober 1962 ca. 2500 Bischöfe in die Konzilsaula einziehen.Die Umgestaltung der Petersbasilika zur Konzilsaula beginnt im Mai 1962. Am 23. September 1962 überzeugt sich Papst Johannes XXIII. persönlich vom Stand der Arbeiten. Hergerichtet werden 2905 Sitze, «nämlich 102 für die Kardinäle, sieben für die Patriarchen, 26 Plätze für das Generalsekretariat und dessen Bedienstete, 2440 für die Konzilsväter, 200 Sitze für die Periti, sowie 130 Plätze für die Beobachter». Auf Anweisung Johannes XXIII. wird der Papstthron so platziert, dass der Zugang zum Petrusgrab frei bleiben «und zu einem integrierten Bestandteil der Konzilsaula» werden würde. Ein fester Altar wird im Zentrum der Aula aufgestellt, einerseits für die Eucharistiefeier, andererseits für «das Evangelienbuch, als Seele und Inspiration aller Konzilsarbeit der Väter».In Zahlen ausgedrückt werden für die Tribüne 25.300 m Stahlrohr, 150 m3 Tannenholz, 2300 m2 Gummi und 800 m2 Teppich verarbeitet. Gerühmt wird das ausgezeichnete Funktionieren der Mikrophone; und bemerkenswert ist das verwendete Datenverarbeitungssystem für das Feststellen der Anwesenheit und für die Abstimmungen. Der Zeitaufwand darf nicht unterschätzt werden. «Für die Auswertung der Stimmzettel brauchten die Maschinen ungefähr eine Stunde. Dazu kam […] die eigentliche Abstimmung sowie das Austeilen und Einsammeln der Stimmzettel. Kein Wunder, dass für die ersten grossen Abstimmungen … sechs volle Tage angesetzt wurden. In vier Generalkongregationen der ersten Woche wurden die Mitglieder von je zwei Kommissionen, also insgesamt jeweils 32 Personen gewählt. Die Maschinen hatten eineinhalb Tage Zeit für die Auswertung von je rund 100.000 Stimmzetteln. Es gab insgesamt 538 Abstimmungen und mehr als eine Million ausgeteilter Karten».Nicht unerwähnt bleiben darf die Bar Iona mit ihrem Angebot an warmen und kalten Getränken sowie Kuchen. Einwände gegen diesen kulinarischen Service in Kirchenräumen konnten gegen den Andrang der Konzilsväter zu diesem Ort nicht ankommen.(emf; vgl. Klaus Wittstadt: Am Vorabend des II. Vatikanischen Konzils [1. Juli – 10. Oktober 1962]. In: A 1, 457-560, 537-551; Zitate auf S. 540.541.547f)
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