Die grüne Wiese
Im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs des St.Galler Bischofs stehen immer Rede (die des Einladenden) und Antwortrede (die eines prominenten Eingeladenen). Und da so ein Empfang nicht der Grundsatzdebatte im deutschen Bundestag (Kanzler-Oppositionsführer) gleicht, sollen die Reden zwar rhetorisch geschliffen, aber nicht frontenschaffend sein. So bemühen sich die beiden Redner in der Vorfasnachtszeit immer um ein (wohl vorgängig abgesprochenes) aktuelles Sujet. Dieses Jahr war es das der «grünen Wiese». Auf die nämlich will eine einigermassen dubiose Interessengruppe in St.Gallen ein neues Monsterspital erstellen und mit ihm möglichst viele der bisherigen Spitäler ersetzen, weil es so «billiger komme» (welch überraschende Erkenntnis!).
Nun denn: Bischof Markus betonte die Wichtigkeit des Regionalspitals Altstätten, das ihm als Winzling bei einer Leistenbruch-OP nur Franken 100 berechnet habe. Finanzchef Martin Gehrer rechnete quer, wie viele Spitäler durch die Abgangsentschädigung der ehemaligen Fürstabtei an den jungen Kanton hätten gebaut werden können (und liess durch die Zeilen schon die Schlagzeile der Abendnachrichten erkennen, die ausbleibenden Nationalbankmillionen). Das Bonmot des Abends leistete sich dann wieder der Bischof, der seinerseits die damaligen Entschädigungsleistungen an die letzten (ausgewiesenen und ausgewanderten) Mönche mit den Beträgen verglich, mit denen der unselige Herr Tebartz-Van Elst im Geheimen jonglierte.
Kurzum: Der Abend machte Spass. Für mich dürfte die Fasnacht damit auch gleich vorüber sein.
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