Konzilsblogteam

Der Vortag des Konklaves

Am Abend des 19. Juni 1963 werden die Kardinäle ins Konklave einziehen. Um 10 Uhr am Vormittag feiern die Kardinäle im Petersdom die Eucharistie als Votivmesse zum Heiligen Geist. Monsignore A. Tondini, Sekretär für die Päpstlichen Breven, hält die Ansprache «De eligendo pontifice». Statt, wie üblich, den verstorbenen Papst zu würdigen, trägt er eine unverhohlene Kritik an diesem vor. Da er die im Konzil aufgeworfenen Fragen für noch nicht reif hält, votiert er für einen Aufschub des Konzils (vgl. Wil 30; A 2,603). Da das Konklave und das Konzil sich in ihrer Zusammensetzung erheblich unterscheiden (v.a. was den Anteil von Europäern und näherhin Italienern angeht), ist der Ausgang – auch hinsichtlich der Frage der Fortführung des Konzils – ungewiss.
Der aus der Provinz Bergamo stammende Kardinal Gustavo Testa kommentierte das Konklave im Rückblick kryptisch so: «Haarsträubende Dinge sind bei diesem Konklave vorgefallen. Ich werde den Papst um Erlaubnis bitten müssen, darüber zu sprechen». John W. O’Malley dazu: «Entweder fragte er nicht oder er erhielt die Erlaubnis nicht, denn er sagte nichts weiter. Andere Indiskretionen bestätigen, dass das Konklave schwierig war».
(emf; Zitat bei OM 166; siehe auch den interessanten Artikel von Azio de Franciscis in der Zeit vom 26.6.1964)

19. Juni 2013 | 00:09
von Konzilsblogteam
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