Walter Ludin

Der Tod eines Bischofs

Luigi PadoveseDie Erschütterung unter uns Kapuzinern über den Mord unseres Mitbruders Luigi Padovese ist gross. Ich traf ihn erstmals vor rund 20 Jahren auf Kreta. Als Fachmann für die Kirchenväter nahm er an einem orthodox-katholischen wissenschaftlichen Symposium teil. Ich traf ihn noch mehrmals und hatte bis heute gehofft, ihn in der Türkei besuchen und über seine Arbeit berichten zu können.Vor einigen Wochen rezensierte ich hier ein Buch über die Christen in der Türkei. Ich wiederhole hier meine Besprechung – in der ergänzten Version, die ich für das ite verfasst habe, in der ich am Schluss Lugi zitiere:
Rudolf Grulich: Christen unterm Halbmond. Vom Osmanischen Reich bis in die moderne Türkei. Sankt Ulrich Verlag Augsburg 2008. ISBN 978-3-86744-066-0. 176 S., ca. Fr. 28.50.Die Türkei ist nicht nur die Heimat und ein wichtiger Wirkungsort des Apostels Paulus. Dort wurden auch die Jünger Jesu zum ersten Mal «Christen» genannt. Noch viele andere frühchristliche Fakten machen die Türkei zum «heiligen Land der Urkirche» (Johannes Paul II.). Der Autor dieses Buch lädt uns ein zu einem Rundgang durch die christliche Geschichte dieses Landes bis in die heutige Zeit. Entgegen dem Trend, die Türkei bloss als Ort islamischer Christenverfolgung zu sehen, zeichnet er ein differenziertes Bild. Für die christliche Minderheit, die sich auf unzählige Konfessionen und Riten aufteilt und sich im Bereich von Promillen bewegt, erhofft er sich von den EU-Beitrittsverhandlungen eine bessere Zukunft.Das erste und das letzte Wort des Buches hat der italienische Kapuzinerbischof Luigi Padovese, der Präsident der Türkischen Bischofskonferenz; mit seinem Geleitwort und dem abschliessenden Zitat: «Die Regierung scheint sich nun endlich um uns zu kümmern. Daher denke ich, das sich das Klima weiter positiv ändern wird. Die Schritte sind zwar relativ klein, aber es ist eine Frage der Zeit.»

4. Juni 2010 | 01:25
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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