Der Papst will Laien auf dem Konzil
Am 31. August 1963 kam es zu einem kleinen Durchbruch in der Laienfrage – zwar nicht bei den Texten des Konzils, aber in seiner Praxis. Befördert durch starkes Zutun Pauls VI. wurde eine Liste von 12 Laien bekannt, die zum Konzil eingeladen wurden. Es kann vermutet werden, dass die langjährigen Erfahrungen Pauls VI. als Mitarbeiter der katholischen italienischen Universitätsvereinigung dazu beigetragen haben, dass er für die Kooperation mit Laien sensibilisiert war.
Im Blick auf die geladenen Laien scheinen zwei Fragen auf: Wie wurde ihre Rolle definiert? Nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?
Während ein einzelner katholischer Laie in der ersten Konzilssession 1962 nur als «Beobachter» zusammen mit den «nichtkatholischen Beobachtern» am Konzil teilnahm, sollte die Laiengruppe bei der zweiten Konzilssession als eigene Gruppe behandelt werden – mit einem eigenen Platz in der Konzilsaula. Langsam war also schon ein Gefühl für ein neues Verständnis der Kirche und aller ihrer Glieder gewachsen.
Beim Blick auf die Auswahl der Laien zeigen sich Eigentümlichkeiten, die erst im weiteren Verlauf des Konzils korrigiert werden sollten: Bis auf eine Ausnahme, ein Laie aus Argentinien, kamen alle Laien aus Europa oder den USA. Das Konzil und das kirchliche Selbstverständnis waren noch sehr eurozentrisch geprägt. Dabei sollte schon wenige Jahre später die Mehrheit der katholischen Weltbevölkerung in Ländern der südlichen Hemisphäre leben! Die andere «typische» Eigentümlichkeit betraf die Geschlechterverteilung. 1963 waren die Laienauditoren allesamt Männer. Erst im folgenden Konzilsjahr sollten auch Laiinnen berufen werden.
(ab; A 3,33f; 368)
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