Walter Ludin

Der Papst und seine kommende «Revolution»

Die meisten von uns erwarten von Papst Franziskus keine direkten grossen Reformen. Diese würden vielmehr dank der Dezentralisierung «von unten» kommen. Der bekannte Vatikanist Andreas Englisch jedoch äussert in einem Interview andere Erwartungen:
Welche Revolutionen wird Papst Franziskus in den nächsten Jahren noch bringen?
Ich glaube, es wird ein Nachdenken über die Ehelosigkeit der Priester geben. Die Kirche wird es den Priestern freistellen, ob sie zölibatär leben oder ob sie heiraten wollen. Franziskus hat schon mehrfach gesagt, dass das Zölibat kein Dogma, sondern nur ein Abkommen ist. Paulus sagt im Korintherbrief ganz klar: «Was die Ehelosigkeit der Priester angeht, habe ich keine Weisung vom Herrn.» Der Zölibat hat die Kirche im Mittelalter nur eingeführt, um Geld zu sparen. Ein anderes Verbot wird sogar noch in diesem Jahr fallen – die Wiederverheirateten werden Zugang zu den Sakramenten bekommen.
Die Feinde des Papstes
Wenn man einen Gottesmann enttarnen will, der Franziskus hasst, dann erkennt man das am folgenden Satz: «Ich habe alles gelesen, was Franziskus über theologischen Fragen geschrieben hat und ich war schnell fertig damit.» Die Kurienkardinäle machen sich über ihn lustig, weil er kein grosser Theologe ist. Es gibt viele Kardinäle, die sich fragen: Wie kann der Papst sein? Aber für Franziskus war es wichtiger, Schulen aufzubauen oder Trinkwasser in die Slums zu bringen, als tagelang in der Studierstube zu sitzen.
 

4. Mai 2014 | 01:55
von Walter Ludin
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