Der junge Ratzinger ...
… zur ÖkumeneIch sollte öfter den «früheren» Ratzinger zitieren, schlug mir ein treuer Gast dieses Blogs vor. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück, tat es kürzlich. Er zitierte die Einschätzung, die der Konzilsexperte Joseph Ratzinger von der Ökumene machte:
«Und ,ökumenischʻ sollte nicht heißen: Verschweigen von Wahrheiten, um die anderen nicht zu verstimmen. Was wahr ist, muss offen gesagt werden, ohne Verbergen; die volle Wahrheit ist ein Teil der vollen Liebe. ,Ökumenischʻ sollte vielmehr heißen: dass man aufhört, die anderen bloß als Gegner zu sehen, gegen die man sich verteidigt (nachdem wiederum die Abgrenzung lange und gründlich genug geschehen ist); dass man versucht, sie als Brüder zu erkennen, mit denen man spricht und von denen es auch zu lernen gibt. ,Ökumenischʻ sollte heißen: dass man auf die Wahrheit achtet, die der andere hat, auf die ernsthaften christlichen Anliegen, die er selbst da vertreten kann, wo er von uns getrennt ist oder irrt. Und, ökumenischʻ sollte heißen: das Ganze einbeziehend; nicht bloß jenen Teilaspekt sagen, der im Augenblick nach einer Verurteilung oder Korrektur ruft, sondern die innere Ganzheit des Glaubens hinstellen und so dem getrennten Bruder bewusst machen, dass alles wahrhaft Christliche im Katholischen eingeborgen ist. Man sollte wieder mehr bedenken, dass die beiden Wörter ,ökumenischʻ und ,katholischʻ von ihrem Ursprung her dasselbe sagen, dass Katholischsein also bedeutet, sich nicht in Sondertraditionen zu verspinnen, sondern der ganzen Fülle des Christlichen offenstehen» (Joseph Ratzinger, die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Rückblick,Köln 1963, S. 45-47).
Man vergleiche diese Aussagen mit Dominus Jesus oder den päpstlichen Äusserungen in Erfurt. -Mir wurde in einem solchen Zusammenhang auch schon vorgeworfen, dass ich vor 40 Jahren nicht das Gleiche schrieb wie heute. Sicher, der Mensch darf seine Meinung ändern. Etwas anderes ist es jedoch, wenn der oberste Glaubenswächter und dann der Papst hinter das Konzil zurückgeht und die ganze Kirche dorthin führen will.
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