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Der Diplomat

In den Erinnerungen von Gérard Philips kommt zum Ausdruck, wie sehr er sich bemüht, allen Mitgliedern der Kommission freundlich zu begegnen und geduldig mit den Einwürfen umzugehen.
Zwar riskiert er als «Mann der Mitte» Unzufriedenheit auf beiden Seiten (Phi 95). Auf der einen Seite fürchtet man, dass er zu viele Konzessionen macht; auf der anderen Seite zeigt man Misstrauen gegenüber seiner Theologie. Doch seine friedfertige Art beruhigt. Er ist sich bewusst, dass er in dem Moment, wo er selbst die Eitelkeit von jemandem verletzen würde, an Terrain verlieren würde (vgl. Phi 99).
Philips schreibt seinen Erfolg seinem guten Latein zu, wie auch seinem Talent für die Debatte, erlernt in seiner parlamentarischen Vorgeschichte (als belgischer Senator zwischen 1953 und 1968). «Mgr Parente wird später, in einer privaten Unterredung, von ‹meiner signorilité [Vornehmheit]› sprechen: er hat das italienische Wort französisiert. Aber seine Glückwünsche sind aufrichtig, und in den Diskussionen hat er sich oft konziliant gezeigt. Er hat in einer Unterredung mit Rahner gesagt: ‹Sie sind die lebendige Theologie, ich bin die tote Theologie›. Ich weiss nicht, in welchem Mass er dies ernsthaft meinte. Er will auf gar keinen Fall als Integrist gelten» (Phi 101).
Als Philips Ende 1963 zum «secretarius adiunctus» der Theologischen Kommission gewählt wird, sieht er mit gemischten Gefühlen, dass er der Kandidat einer Partei ist (die Abstimmung war mit 16:6 Stimmen ausgegangen). Er hofft aber, dass er nach allen Seiten offen bleiben wird – er habe sich immer dafür eingesetzt, eine Übereinkunft zu erreichen, und bedauert, dass manche den Kampf suchen. Als Parlamentarier bemerkt er aber auch, wie unvorstellbar es in einem Parlament wäre, dass eine Minorität derart eine Position der Stärke einnimmt und ausspielt (vgl. Phi 116).
(emf)

6. Juli 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
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