Markus Baumgartner

Der Bankier der Bibeln

Die westliche Zivilisation ist auf dem Christentum aufgebaut und ihr Fundament ist die Bibel. Die biblischen Texte und die darin enthaltenen Geschichten wurden auf der ganzen Welt verbreitet. Das CaixaForum, eines der grössten Kulturzentren Madrids, beherbergte eine Bibelausstellung mit dem Titel «Die Bibel, eine Reise durch die Sprachen der Welt» mit 1600 Exemplaren aus mehr als 178 verschiedenen Ländern.

Diese Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Regierung und dem Erzpriestertum von Andorra organisiert. Sie zeigte die faszinierende Sammlung der Bibeln von Pere Roquet welche die sprachliche Vielfalt der Welt zu schätzen und zu erkennen weiss, schreiben die spanischen Zeitungen El Pais und La Vanguardia. Pere Roquet aus Andorra ist heute 87 Jahre alt. Er war das ärmste Kind in seiner Klasse, aber dasjenige mit den besten Noten. Er begann als 15-jähriger bei der Banco Español de Crédito in Girona und machte Karriere als Bankier bis zum CEO des Crèdit Andorrà. Dann bekam er Krebs und Herzerkrankungen, und erkannte:  »Alles ist Illusion und Beständigkeit.» Er versuchte «immer auf die gute Seite zu schauen» und lernte aus dem Evangelium von Lukas: «Benimm dich mit deinem Nachbarn, wie du willst, dass er sich mit dir verhält». Die Bibel war seine Inspiration und so begann er 1995 die Bibeln zu sammeln: Heute hat er eine Sammlung von 1900 Bibeln aus fünf Kontinenten.

Pere Roquet will Jesus ehren

Die Geschichte der Leidenschaft von Pere Roquet, dem Bankier der Bibeln, begann im Dorf Lokori (Kenia). Dort gab ihm Comboni-Missionar  und Pater Franco Moretti ein Neues Testament. Es war in Turkana geschrieben, einer östlichen nilotischen Sprache, die von fast einer Million Menschen gesprochen wird. Er verwies ihn auch an das Büro der Bibelgesellschaft in Nairobi: So ging er mit 19 Bibeln nach Hause. Jede war in einer anderen afrikanischen Sprache geschrieben. Seit diesem Erlebnis begann Roquet mit dem Sammeln und ist dafür in viele Teile der Welt gereist: «Es wurde zu einer Sucht. In meinem Fall in Bezug auf die Verbreitung des Evangeliums, auf das Neue Testament.» Pere Roquet will Jesus ehren: «Die Lehre von Jesus ist revolutionär: Er würdigte Frauen, Kranke, Arme. Und das hat die Welt durch ihre Übersetzung in so viele Sprachen stark verbessert.» Roquet selber unterstützte zwölf Bildungsprojekte auf der ganzen Welt damit arme Menschen in ihrem Land einen Beruf erlernen können. 

Bedeutung der Bibel für Erhalt der Sprache

Über ihre religiöse Bedeutung hinaus zeigte die Sammlung von Pere Roquet im CaixaForum die sprachliche Vielfalt der Welt und die Bedeutung der Bibel für den Erhalt dieser Sprachen. Einige Kopien sind der einzige Text, der in dieser Sprache geschrieben wurde. Es gibt sogar tote Sprachen, die auch ihre Bibel haben. Zu den ausgestellten Bibeln gehörten Beispiele wie die Septuaginta-Bibel oder die auf Esperanto geschriebene. Oder auch heimlich gelesene Bücher wie eine Bibel aus Nordkorea, Bände in Minderheitensprachen oder vom Aussterben bedroht sowie Anpassungen an neue Sprachen wie eine Bibel im Comic-Format. Die Ausstellung wurde vom Promotor der Bibelsammlung, Pere Roquet, dem Erzbischof von Urgell und Co-Prinz von Andorra, Joan-Enric Vives Sicília, dem Generaldirektor der Bankenstiftung «la Caixa», Jaume Giró, und dem Minister für Kultur und Sport der Regierung von Andorra, Sílvia Riva, eröffnet. Mit mehr als sechs Milliarden Exemplaren ist die Bibel das meistveröffentliche Buch der Geschichte. Es ist auch das meist übersetzte Werk und kann heute ganz oder teilweise in 3350 Sprachen gelesen werden.

1. Dezember 2019 | 15:55
von Markus Baumgartner
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