Der Aussenminister des Vatikans – politische Interessen auf dem Konzil
Die Kirche ist keine transparente Demokratie und vieles verlief auch auf dem Konzil hinter den Kulissen. Nicht nur die eher fortschrittlichen Bischöfe organisierten sich ausserhalb der Konzilsaula. Auch die Kurie wusste ihre Möglichkeiten auszuspielen. Als Kardinalstaatssekretär war Amleto Giovanni Kardinal Cicognani (1883 – 1973) an entscheidender Stelle. Dies galt umso mehr, als Cicognani am Ende der ersten Sitzungsperiode auch noch zum Präsidenten der Koordinierungskommission ernannt wurde – der «Flaschenhals» für die Konzilstexte.Cicognani, der noch einen Bruder hatte, der ebenfalls Kardinal war, galt er als ein typischer Vertreter der Kirchenbürokratie und der vatikanischen Diplomatie. In dieser Konstellation war es kaum verwunderlich, dass zuweilen weltpolitische Interessen und Rücksichtnahmen immer wieder in Konkurrenz zu kirchlichen oder theologischen Aussagen gerieten. Insbesondere bei der Frage des Verhältnisses der Kirche zu den Juden spielte Cicognani seine Karten aus. Mehrfach versuchte er, ihm als zu «judenfreundlich» scheinende Texte von der Diskussion im Konzil fern zu halten oder sie stark zu relativieren. Er sah vor allem politische Schwierigkeiten mit arabischen Ländern für den Fall, dass die Kirche eine grössere Annäherung an den Staat Israel zu Ausdruck bringen würde. Dabei wusste er sich mit etlichen Bischöfen aus arabischen Ländern einig – ebenso wie mit konservativen Konzilsvätern. Sein lakonischer Kommentar zur Begründung der Ablehnung des Themas auf dem Konzil: «Zeitverschwendung».Nach dem Konzil sollte Kardinal Cicognani hohen Einfluss behalten. Er wurde durch Ernennung Pauls VI. zum Co-Präsidenten der Kommission zur Überwachung der Durchführung der Konzilsentscheidungen.(ab; Le 58 – 63)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


