Markus Baumgartner

Dem Himmel gleich doppelt nahe

Wieslaw Reglinski ist der neue katholische Priester für Grenchen und Bettlach. Er ist auch Privatpilot und wollte eigentlich Linienpilot werden. In der Luft kennt der Priester die Schweiz schon gut, am Boden ist er am Erkunden seiner neuen Umgebung. Dort achtet er auf Sprache und Mentalität. 

Der Flughafen Grenchen bildet den äusseren Rahmen für die Begegnung mit dem neuen römisch-katholischen mitarbeitenden Priester mit Pfarrverantwortung von Grenchen und Bettlach: Wieslaw Reglinski hat nicht nur wegen seines Berufs in der Kirche einen starken Bezug zum Himmel, schreibt die «Solothurner Zeitung». 1967 geboren, wuchs er in der Nähe von Danzig in Polen auf, und wollte als Jugendlicher Linienpilot bei der polnischen Fluggesellschaft LOT werden. Das ging aber nur über den Weg, zuerst Militärpilot zu werden, was er nicht wollte. Doch der Flugwunsch blieb ihm erhalten: Auf dem Flugplatz Birrfeld schloss er die Ausbildung zum Privatpilot ab. Fliegen sei für ihn eine wunderbare Ergänzung zu seinem Beruf. Da habe er es nicht mit Geisteswissenschaften und Seelsorge zu tun, sondern müsse sich mit der Technik und Zahlen befassen. 

Studien in Theologie, Recht und Bioethik

«Wie schaffen wir den Menschen eine Beheimatung in der Kirche und wie können wir als Kirche auf Menschen zugehen?», fragt  Wieslaw Reglinski und ergänzt im Sinne von Papst Franziskus: «Ein Christ, der in diesen Zeiten kein Revolutionär ist, ist kein Christ.» Natürlich, sagt Reglinski, ist es einfacher einen Text über Aufbrüche zu schreiben, als sie zu leben, sie in der Seelsorge einzubringen und als Glaubender umzusetzen. 

Wieslaw Reglinski ist ein hochgebildeter Mensch mit zweifacher Promotion. Vielleicht haben ihm deswegen seine Eltern den Vornamen Wieslaw gegeben, was «der die Weisheit lobt» bedeutet. Zehn Jahre dauerte sein Theologiestudium, weil er zusätzlich ein Sozialpraktikum in einem Altersheim und ein pastorales Praktikum in Weissrussland absolvierte. 1996 wurde er  zum römisch-katholischen Priester geweiht. Darauf folgte ein zweijähriges Wirken als Kaplan in Warschau in einer Gemeinde mit über 10’000 Menschen. Die nächste Station in seinem Leben war der Weiterbildung gewidmet, als er sieben Jahre lang in Rom ziviles und kirchliches Recht sowie Bioethik studierte, schreibt die Solothurner Zeitung weiter.

Sprache und Mentalität

Die Sprachen der Länder, in denen er gelebt hat – Russisch, Deutsch, Italienisch, Englisch – konnte er recht schnell erlernen. Das sei für ihn auch sehr wertvoll, denn jede neue Sprache eröffnet eine neue Welt. Doch nicht nur die Worte, auch die Mentalität und den Hintergrund müssen erlernt werden. So verstehe er auch das Schweizerdeutsch. Seit 2005 lebt Wieslaw Reglinski in der Schweiz. Zuerst war er 14 Jahre Pfarrer in Huttwil, also im traditionell reformierten Emmental. «Der Austausch mit den Mitgliedern der reformierten Kirchgemeinde war für mich spannend und lehrreich», hält er fest. «Das war für mich eine wertvolle neue Erfahrung, da in Polen und Italien die Menschen ja durchweg katholisch sind.» Als einziger katholischer Priester wirkte er zudem als Einsatzleiter im Care-Team des Kantons Bern mit.

Bild Quelle schoenstatt.ch
4. Oktober 2020 | 21:31
von Markus Baumgartner
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