Dem eigenen Gewissen folgen
Als Leonidas Proaño (1910–1988) von der Sitzungsperiode in Rom 1964 nach Ecuador zurückkam, wurde er von einem Journalisten gefragt, ob er zur Gruppe der «Liberalen» oder zu jener der «Konservativen» gehört habe. Darauf antwortete der Bischof im Poncho: «Ich erkläre, dass ich mich niemandem gegenüber verpflichtet habe. Ich bin meinem eigenen Gewissen gefolgt, ohne äussere Weisungen: Einmütig mit meiner Art zu denken und mit der Sicht der Dinge, wie ich sie habe. Und gleichzeitig sage ich mutig, dass ich dauernd der Erneuerung bedarf. Ich verstehe das Leben als eine Bewegung. Die Kirche ist ein lebendiger Organismus. Wer sie verknöchert oder statisch halten möchte, der würde die Sendung verraten, die uns Christus selbst gegeben hat … «Geht hinaus in die Welt …». Gehen, uns von vielen Dingen verabschieden, die keinen Grund zu sein haben; zu den Quellen des Evangeliums zurückkehren, die Kirche zur «Kirche der Armen» verwandeln.»
Der Bischof der Indios blieb dieser seiner Gewissensüberzeugung bis zu seinem Tod treu, was sich auch in seinem persönlichen Lebensstil äusserte, als der krebskranke Bischof bewusst auf medizinische Eingriffe und schmerzstillende Mittel verzichtete und damit das Schicksal der Armen solidarisch teilte.
(Giancarlo Collet)
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