«Dass die Frau am öffentlichen Leben teilnimmt»
Frauenfrage, Frauenbewegung, Emanzipation – keines dieser Substantive gibt genau wieder, was die Enzyklika Pacem in terris an zweiter Stelle unter den «Zeichen der Zeit» anführt: «dass die Frau am öffentlichen Leben teilnimmt … Die Frau … nimmt vielmehr sowohl im häuslichen Leben wie im Staat jene Rechte und Pflichten in Anspruch, die der Würde der menschlichen Person entsprechen.»
Vielleicht kann man sich am besten über die Grammatik diesem «Zeichen der Zeit»» nähern: Frauen sind gleichberechtigte Subjekte und Akteurinnen des öffentlichen wie privaten Lebens geworden (der lateinische Text der Enzyklika verwendet übrigens den angenehmeren Plural mulieres).
Für Katholikinnen wurde diese Passage schnell zu einem wichtigen Referenzpunkt; kaum eine katholische Publikation zu Frauenthemen verzichtete auf ein Zitat. Für die Theologin Elisabeth Gössmann war 1968 klar: «Den Boden für den Geist des Konzils bereitete ohne Zweifel die Enzyklika Pacem in terris von Papst Johannes XXIII.
Wie sehr wiederum die Friedensbotschaft der Enzyklika bewegen konnte, berichtet die österreichische Friedensaktivistin Hildegard Goss-Mayr. Rund 70 Frauen der Bewegung «Women Strike for Peace», Gläubige und Nichtgläubige von vier Kontinenten, seien nach Rom gekommen, um Johannes XXIII. für die Enzyklika zu danken. Zunächst bemühte sich die Gruppe vergeblich um eine Audienz beim Papst, weil im Vatikan, anders als in der Enzyklika, nichtgläubige Friedensaktivisten nicht als Menschen guten Willens galten, sondern als Kommunisten verdächtigt wurden. Jean Goss und Hildegard Goss-Mayr wurden um Vermittlung gebeten; mit Hilfe von Kardinal Bea kam es schliesslich zur Teilnahme an einer Audienz und zur Begegnung mit Johannes XXIII.
(Regina Heyder; Quelle: Hildegard Goss-Mayr, Wie Feinde Freunde werden. Mein Leben mit Jean Goss für Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Versöhnung, Münster 2008, 67-70).
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