Das Übel der Duzerei
Es gibt schwierige Gesellschaften, so etwa Schweden, wo – zumindest nach den Krimi-Autoren – jeder mit jedem auf Du ist. Es gibt die geniale englische Sprache, in der das «you» sowohl «Du» wie «Sie» bedeuten kann. Das oszilliert dann wunderbar. Auf Italienisch schreibt man es dann gleich gross: «Lei». Noch schöner.
Wir sind nun Deutsch-sozialisiert aufgewachsen. Und auf den bewussten Unterschied in dieser Sprache bin ich stolz. Ich bin grundsätzlich mit jedem Erwachsenen per «Sie». Erst wenn sich zwischen ihm und mir ein eventuelles Vertrauens- oder Freundschafts-Verhältnis entwickelt hat, wechsle ich zum «du». So entsteht wohltuende Distanz und wohltuende Nähe. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich ein Übel in der Gesellschaft eingenistet, das einem weismachen will, man solle doch mit möglichst vielen auf «du» sein, auch wenn da weder Vertrauen noch Freundschaft ist. Ich gebe ein paar Beispiele, was ich völlig daneben finde:
– Nur weil ein Mensch mein Nachbar ist, will ich mit ihm nicht per «du» sein. Ich weiss ja nicht, was für einen Charakter er hat, wie er wirklich denkt etc.
– Nur weil ein Mensch, mit dem ich befreundet bin, mit einem x-beliebigen anderen Menschen per «du» ist, muss ich das noch lange nicht sein. Denn: s.oben.
– Und noch schlimmer: In gewissen Restaurants und Gasthäusern duzt das Personal den Gast ohne Vorwarnung. Das ist so frech und respektlos, dass solche Lokale gekennzeichnet werden sollten.
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