Das Ringen um das Offenbarungsverständnis
Bischof Helder Câmara gibt Einblicke in die Dynamik des Konzils. In seinen Rundbriefen im November 1962 benennt er die verschiedenen offenen Baustellen und Einzelprojekte der kirchlichen Mammutversammlung: Liturgie, Kirche, Offenbarung. Überall werde gerungen – die Situation scheint zuweilen chaotisch. Insbesondere die römische Vorlage über die Offenbarung sei nicht akzeptabel, nicht vom Geist des Konzils geprägt, voller Verurteilungen, zu negativ, zu engstirnig und ohne eine Perspektive für die Erneuerung der Kirche. Obwohl nach dem Eindruck von Câmara eine Mehrheit der Bischöfe ein unwohles Gefühl gegenüber dem Offenbarungsschema teile, sei es dennoch schwierig, die Bischöfe auf der Ebene ihrer nationalen oder regionalen Konferenzen zu mobilisieren. Câmara, der mehrere Anläufe zu internationalen Vernetzungen unternimmt, berichtet auch vom Scheitern einiger solcher Versuche. Aber es gibt auch Erfahrungen von produktiver Solidarität:«So Gott will, werden am nächsten Dienstag Australien, Spanien und Italien dazu kommen. Belgien und Holland sind bereits bei uns in brüderlicher Arbeit. Am Dienstag werden wir das neue Schema über die Quellen der Offenbarung vorlegen und durchgehen, ausgearbeitet von der Gruppe ‹Opus Angeli› unter der Schirmherrschaft von Kardinal Suenens, der Kardinäle von Frankreich, Deutschland und Holland. Der Text wurde auf Druckfehler durchgeschaut, weil er während der ganzen letzten Nacht vom Sekretariat der Deutschen vervielfältigt wurde unter der persönlichen Aufsicht von Kardinal Frings».(ab; CaLe 1,115)
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