Das Papstsystem (I.)
Wer war der erste Papst?
«Die neuere (d. h. nicht mehr ganz neue Forschung) hat über die Entstehung des Papsttums ganz andere Erkenntnisse gefunden als wir sie als Kinder im Katechismus auswendig gelernt haben. Leider werden sie von den Verantwortlichen nicht zur Kenntnis genommen – weil sie einen Machtverlust nach sich ziehen würden. Aus einem Beitrag von Roland Hinnen zitiere ich heute und in den kommenden Tagen in freien Folgen einige Abschnitte:
Zur Zeit des Apostels Paulus wies die Kirche von Rom keine monarchische, sondern eine kollegiale Leitung aus mehreren Ältesten auf. Doch bereits ums Jahr 98 masst sich einer von ihnen an, in den Streit der Gemeinde von Korinth einzugreifen (»Klemens-Brief»). Ansprüche auf die Universalherr-schaft stehen offensichtlich im Zusammenhang damit, dass Rom politisches Zentrum des Imperium Romanum war. Erst recht machen sie sich breit in der Zeit, als der römische Bischof in das Machtvakuum eintreten konnte, das durch den Weggang des Kaisers nach Konstantinopel (330) entstanden war.Was heute dogmatisch behauptet und mit brutaler Machtpolitik durchgesetzt wird, hat bereits 1073 der Papstmönch Gregor VII im Dictatus Papae als kirchliche Lehre verkündet (die Ordensleute spielen historisch bei der Entstehung der beiden Dogmen Universalprimat und Unfehlbarkeit eine wichtige Rolle): Der römische Papst ist universaler Bischof, er allein; ohne ihn gibt es kein Konzil; seine Entscheide sind definitiv, er aber darf alle Entscheide der anderen revidieren. Er selber darf von niemandem gerichtet werden. Jede Kirche soll die wichtigeren Angelegenheiten vor ihn bringen. Jeder Rechtssatz ist nur kanonisch, wenn er von ihm autorisiert ist. Er allein kann Bischöfe absetzen oder wieder einsetzen, Bischöfe von einem Sitz zum andern versetzen, neue Bistümer errichten, bisherige zusammenlegen oder aufteilen. Der Papst darf aus jeder Kirche nach Belieben Kleriker weihen; einmal von ihm geweiht, bleiben sie ihm reserviert und können in jeder anderen Kirche eingesetzt werden. Er besitzt die Unfehlbarkeit: Er hat niemals geirrt und kann nie und nimmer irren. Wer nicht mit ihm übereinstimmt, ist nicht katholisch. Er wird durch Amtsantritt «heilig», also sakrosankt und unantastbar (»Heiliger Vater», Papo-latrie).Wer heutzutage einen dieser Ansprüche ablehnt, gilt nicht mehr als katholisch.» ——-
Wie hätte sich das Papstsystem entwickelt, wenn es sich von Palästina aus entwickelt hätte, wo Petrus als einfacher Fischer gelebt hat?
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