Das Leben ist eine Zumutung
Als ich vorgestern meinen Geburtstag feierte, kam mir «zufällig» der folgenden Text meiner Freundin Martha Heizer vom österreichischen KirchenvolksBegehren unter die Augen. Er hat mich vor allem auch aus diesem äussern Anlass sehr angesprochen:
Unser Leben ist eine Zumutung. Wenn wir morgens aufstehen, können wir nicht davon ausgehen, dass wir am Abend noch leben. Ständig hängt unser Leben und das jener Menschen, die uns sehr nahestehen, an einem sehr dünnen Faden. Wir haben die Natur nicht im Griff (und das ist gut so), wir haben unsere Mitmenschen nicht im Griff, oft genug haben wir uns selbst nicht im Griff. Unter diesen Bedingungen halbwegs locker und heiter durchs Leben zu gehen, setzt entweder beschränkte Phantasie oder ein schon fast lächerliches Vertrauen voraus.
Religion vermindert diese Zumutung nicht. Sie erleichtert das Wahnsinns-Vertrauen, das schon. Aber sie verspricht nicht, dass gläubige Menschen ausgeschlossen wären von diesem Seiltanz unseres Lebens. Ihnen passieren die gleichen furchtbaren Dinge. Und auch sie können sie oft genug nicht einordnen in ein geschlossenes System, das alle Fragen beantwortet.
Es ist enttäuschend, trotz langem Suchen und Forschen und Grübeln und Beten zu keiner befriedigenden Antwort zu kommen. Ja, ich habe manchmal sogar den Eindruck, je intensiver ich mich mit meiner Religion beschäftige, desto mehr Fragen tauchen auf, desto mehr bisher akzeptierte Antworten werden wieder fraglich.
Wie verwunderlich, dass über Jahrtausende immer wieder so viele Menschen Trost und Freude und Vertrauen ins Leben gefunden haben durch dieses Christentum!
Wie erstaunlich, dass in dieser Lehre so viel Kraft, soviel Faszination steckt, dass die offenen Fragen, die nicht erhältlichen Antworten, die Unbegreiflichkeiten, die Widersprüche wettgemacht werden. Ja, dass dies sogar eine Besonderheit ausmacht, ohne die es manche Menschen, ich zum Beispiel, gar nicht aushalten möchten.
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