Konzilsblogteam

«Das Leben heute ist nicht traditionell»

Das Recht jedes Menschen, die Wahrheit zu erforschen, sowie das Recht jedes Menschen, der im Gewissen erkannten Wahrheit Folge zu leisten: diese Prinzipien bringt der Weihbischof von Mailand, Carlo Colombo, am 25. September 1964 in der Konzilsaula zugunsten der Lehre von der Religionsfreiheit vor. Hinzu kommt das Selbstverständnis des Glaubens, ein freier und persönlicher Akt zu sein. Da Colombo als Vertrauter von Papst Paul VI. gilt, findet seine Rede Beachtung.
Die Gegner pochen darauf, dass die christlich hochzuhaltende Freiheit die Freiheit vom Irrtum ist. Der Streit entspinnt sich aber vor allem um die Vereinbarkeit mit der traditionellen Lehre der Kirche.
Die Befürworter der Lehre von der Religionsfreiheit versuchen zu zeigen, dass frühere lehramtliche Aussagen auf andere Aspekte hinauswollten und in anderen sozialen Bedingungen gesprochen waren. Offensiver gab sich bereits 1961 Kardinal Bea: «Dies ist keine traditionelle Lehre, aber Leben ist heute nicht traditionell» (zit. nach OM 214).
In der Konzilsaula macht sich aber auch bemerkbar, wie sehr die Konzilsväter Erfahrungen aus unterschiedlichen politischen Situationen mitbringen: Bischöfe aus traditionell katholischen Ländern sind eher gegen die Religionsfreiheit eingestellt, während vor allem die US-Amerikaner von einem Hintergrund positiver Erfahrungen mit der Religionsfreiheit sprechen. Entsprechend kommentiert Yves Congar den ersten Tag der Debatte mit vielen Wortmeldungen von amerikanischen Bischöfen: «Das ist der grosse Tag der USA» (Co 2,135). Nochmals anders stellte sich die Lage für Bischöfe aus den Ostblockstaaten dar.
(emf)

25. September 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
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