Heinz Angehrn

Das Kriterium der «Romtreue»

Ein Entrüstungssturm ist über den Schreiberling hinweggefegt. Er bekennt sich schuldig im Sinn der (ihn amüsierenden) Anklage und setzt seine Argumentation genau in dieser Ecke fort. Zum Thema IQ können sich in der folgenden Argumentation gerne die Historiker äussern. Die Ideologen mögen schweigen.
Also: Die Romtreue ist zu Beginn des 21.Jahrhunderts das Kriterium für einen «guten» Bischof, für eine gute Ausübung des Bischofsamtes zum Wohle der Diözese und aller in ihr Lebenden? Wirklich, im Ernst? In der Landschaft der katholischen Kirche in der Deutschen Schweiz mit unserer Tradition und Geschichte? Wären da nicht andere Kriterien weit mehr gefragt: Demokratische Grundhaltung, Wertschätzung des Prinzipis der Subsidiarität? Oder wenn Sie es bräver und frommer wollen: «Jesus-Treue», Treue also zur Botschaft der basileia tou theou?
Seit die katholische Kirche in der römischen Form (ich lehne mich weit aus dem Fenster und entzünde meinen eigenen Scheiterhaufen) systematisch im 18. und 19.Jahrhundert ihre einerseits absolutistische Macht über den Körper der Menschen und andrerseits ihre politisch-materielle Macht als Kirchenstaat verloren hat, hat sie sich derart übel zentralisiert, hat derart übel einen Machtanspruch über den Geist der Menschen erhoben (vgl. 1870/71 als Zeit der italienischen Einigung und eines bestimmten Dogmas), dass das Kriterium für einen «guten» Bischof nichts anderes als die Distanzierung gegenüber diesem Zentralismus sein muss.

1. November 2010 | 07:37
von Heinz Angehrn
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