Das Konzilstagebuch von Heinrich Tenhumberg (II): Johhannes XXIII., Paul VI. und der Schweizer Bruno Bernhard Heim
Der Oltner Bruno Bernhard Heim, 1911 dort geboren und 2003 ebenfalls in seiner Heimatstadt verstorben, war einer der ersten nichtitalienischen Vatikandiplomaten. Bestimmend wurden für ihn die Jahre 1947–1951, in denen er als Sekretär des in Paris als Nuntius wirkenden Angelo Roncalli tätig war. In meinen Gesprächen mit ihm, die ich ab 1998 führen durfte, kam die Bewunderung von Erzbischof Heim für Angelo Roncalli – er empfing 1961 die Bischofsweihe und wirkte danach als Apostolischer Delegat bzw. Pro-Nuntius in Skandinavien, Ägypten und Grossbritannien – immer wieder zum Ausdruck, nicht nur für die Person von Johannes XXIII., sondern auch für dessen Auffassung von Kirche und Seelsorge.
Die nun vorliegenden Tagebuchauszüge von Weihbischof Heinrich Tenhumberg geben nun wichtige Hinweise zum Verhältnis von Erzbischof Heim zu Johannes XXIII. zu Beginn des Konzils und zu Paul VI. während der dritten Session.
Im Oktober 1962, also zu Konzilsbeginn, hielt sich der in Skandinavien als Apostolischer Delegat wirkende Bruno Heim bei Schwestern in Rom auf, mit direktem Kontakt zu Johannes XXIII. und zu dessen Sekretär Loris Capovilla. Diese Tatsache lässt vermuten, dass sowohl Johannes XXIII. wie auch Erzbischof Heim ihre gemeinsamen Pariser Jahre in guter Erinnerung haben und Erzbischof Heim mit den Direktzugängen zu Papst und Privatsekretär privilegiert war. Heim setzte sich gegenüber Johannes XXIII. im Sinne des Schönstätter Priesters Tenhumberg für die Trennung des Schönstattwerkes von den Pallotinern und für die Übergabe der Causa Schönstatt vom Heiligen Offizium an die Religionsenkongregation ein. Offenbar hegte Johannes XXIII. Sympathien für die Schönstattbewegung.
Anfang November 1962 hatte Heim eine Privataudienz bei Johannes XXIII., in der Heim den Wunsch deponierte, dass der Papst keinesfalls von seinem Reformprogramm ablassen solle. Die Schönstattfrage konnte er wegen Zeitmangels nicht zur Sprache bringen. Ende November hoffte Heim vor seiner Abreise nach Skandinavien noch auf eine weitere Papstaudienz, und die Krankheit von Johannes XXIII. schätzte er nicht als so gravierend ein.
Die Tagebuchnotizen von Weihbischof Tenhumberg berichten dann wieder von engen Kontakten von ihm zu Erzbischof Heim in der dritten Konzilssession, im September und Oktober 1964, als Heim wieder in Rom weilte. Diese Notizen belegen, dass sich Heim wiederum seine Kontakte an der Kurie zugunsten der Reformpartei des Konzils einsetzte, aber auch für die Causa Kentenich. Mitte Oktober 1964 wurde die Trennung des Schönstattwerkes von den Pallottinern ausgesprochen und ein Apostolischer Administrator für das Schönstattwerk ernannt, beides Wünsche der Schönstattbewegung. Und Paul VI. verschickte sogar ein Segenstelegramm an die Bewegung. Heim setzte sich auch dafür ein, dass das Konzil nicht vorschnell beendet würde, und empfahl Paul VI. in einer Privataudienz eine Kurienreform, die mehr personelle als institutionelle Änderungen herbeiführen sollte. Ausserdem müsse das Heilige Offizium – 1955 wurde dort gegen Heim selbst Anklage erhoben – humanisiert werden. Schade sei, dass Kardinäle und Bischöfe im direkten Gespräch mit Paul VI. in Sachen Kurienreform oftmals nur Belanglosigkeiten äusserten, anstatt Klartext zu reden.
(ufw; Heinrich Tenhumberg: Als Weihbischof auf dem Konzil. Tagebuchnotizen 1962–1965. Herausgegeben von Joachim Schmiedl. Münster 2015, 47, 53 f., 60, 98–102, 112, 114, 120, 122–125, 127, 143.)
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