Das Konzil als Prozess und Übergang
Karl Lehmann fragt nach dem heutigen Umgang mit dem Konzil, dessen Übergangscharakter auch jetzt noch nicht übergehbar ist: «Die bewusste Gestaltung dieser Kirchenversammlung als ‹Prozess› und ‹Übergang› zu einer neuen Zeit gehört ganz grundlegend in die Konzeption des Konzils selbst. So hat sich die Konzilsidee beim Papst selbst immer wieder auch verändert, indem neue Horizonte und Dimensionen eröffnet wurden. Dafür gab es keinen herkümmlichen ‹Typ› des Konzils und darum auch keine direkt brauchbaren Modelle. […] Ich möchte diesen Ansatz ‹Konzil als Prozess› und ‹Konzil als Übergang› zum Verständnis des Konzils einer Kennzeichnung als ‹aggiornamento›, ‹Modernisierung› usw. vorziehen.» Lehmann fügt an, dass sich diese Prozessoptik auch in der Rezeption und im Verständnis des Konzils widerspiegeln müsse: «Es scheint mir von grosser Bedeutung zu sein, dass man diesen vielfältigen Prozesscharakter des Konzils selbst im Auge behält. Das ist nicht einfach. Man muss nämlich im selben Augenblick in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken. Darum erscheinen auch manche Ereignisse und Texte in einer gewissen Zwiespältigkeit. Sie sind wie ein Januskopf, der auch Rätsel aufgeben kann, je nach der Richtung, in die man blickt. Nicht zuletzt deshalb steht auch das Konzil als Ereignis, nicht nur als Textsammlung im Vordergrund.»
(Karl Lehmann, in: Sonderheft «Zur Debatte» 3/2013, 2; ab)
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