Konzilsblogteam

Das Kind des Konzils

Dass die Pastoralkonstitution Gaudium et spes als einziges Konzilsdokument gänzlich während des Konzils entstanden ist, ist nicht nur deswegen erstaunlich, weil die gesamte Textarbeit somit während der Konzilszeit zu leisten war. Gewichtiger noch ist, dass binnen kurzer Zeit das Konzept einer «Pastoralkonstitution» mit neuen methodischen Vorgehensweisen zu erfinden war. Vor der vierten Konzilssession konnte man zwar mit den Fortschritten des Textes zufrieden sein, musste aber dennoch bangen, ob der Text wirklich reif genug wäre. Entsprechend Sorge galt diesem «Kind des Konzils»: Der belgische Bischof André-Marie Charue, der insbesondere mit dem Abschnitt über die Kultur befasst war, nannte es eine «Frühgeburt». Gérard Philips setzte sich gegenüber kritischen Stimmen dafür ein, dass «dass ein schmächtiges, schwaches und kränkelndes Kind immer noch besser sei als gar keines».
Noch im September wird klar, dass man mit aller Kraft an Verbesserungen des Schemas arbeiten müsse, «um es noch ‹zur Welt bringen› zu können. Oder, wie Philips gerne wiederholte: ‹Das Kind ist schwach und kraftlos, aber was zählt, ist, dass es da ist. Man darf nicht daran arbeiten, es zu ersticken, sondern muss ihm helfen, sich zu entwickeln›».
(emf; Zitate aus A 5,146.147.150)

9. September 2015 | 00:01
von Konzilsblogteam
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