Darstellung Jesu im Tempel
Kein Mensch gehört einem anderen Menschen
(Dort, wo ich predige, wird schon heute das Fest Darstellung Jesu gefeiert.)
Jesus von Nazareth wird als Kleinkind im Alter von 40 Tagen in den Tempel gebracht. Seine Eltern weihen das Kind dem Herrn. Sie erfüllen damit ein Gesetz des Alten Testamentes. Dennoch hat diese Zeremonie auch heute eine äusserst wichtige Aktualität. Denn sie erinnert uns daran: Jedes Kind gehört letztlich Gott. Es ist den Eltern/der Familie eigentlich nur geliehen. Gewiss, die Eltern haben die Pflicht, es zu bilden, zu formen. Aber sie haben kein Recht, aus ihm einen Klon zu machen.Und früher oder später müssen sie das Kind vollends loslassen: in die Freiheit in die Selbstverantwortung.Den einen Eltern gelingt dies besser, den andern weniger gut. Ein horrendes Beispiel: Eine Mutter erzählte mir von ihrer Tochter/fast 30. Sie hätte «die blöde Idee», noch eine Zweitausbildung als Reisebüro-Fachfrau zu machen. Es war also nichts Ausgefallenes. Und es handelte sich um kein unmündiges Mädchen.Trotzdem: Mutter betete, dass ihre Tochter die Aufnahmeprüfung nicht bestehe. Ich war erschüttert, ob solch einem Besitzanspruch.Nein, kein Mensch gehört völlig einem andern Menschen; auch keine Frau einem Mann; kein Mann einer Frau. Es gibt zwar das sehr schöne Minnegedicht aus alter Zeit: «Du bist myn, ich bin dyn.» Doch diese Worte drücken, richtig verstanden, eine Zugehörigkeit aus, nicht Hörigkeit/Besitzverhältnisse. Einer meiner Studienkollegen spricht darum etwas scherzhaft nicht von «seiner Frau», sondern von «der Frau, deren Mann ich bin,». Diese Ehe hat schon über 35 Jahre gehalten – obwohl oder gerade weil die beiden zueinander gehören; einander aber nicht als Eigentum gehören.
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